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600 H o f b i b l i o t h e k .
und dadurch der schöne Iosephsplatz geschaffen. Unter der Regierung dieses
großen Kaisers wurde auch die H. durch mehrere Büchersammlungen aus
den aufgehobenen Klöstern und Stiften bedeutend vermehrt und erhielt
durch reichlichen Ankauf bey der Büche-rversteigerung desHerzogs von la
Bal l iere zuParis einen vorzüglichen Bücherschatz von Inkunabeln
und ältern Druckwerken. Als Kaiser Joseph starb, hinterließ er ihr
auch seine eigene Büchersammlung. Unter der Regierung des letztverstor-
benen Kaisers Franz I. hat die Sammlung, besonders aus Venedlig
und Salzburg bedeutende Erwerbungen gemacht. Für die H. sind jahr-
lich 15,000 Gulden C. M. zum Ankaufe «euer Werke angewiesen; bie-
then sich besonders günstige Gelegenheiten zur Erlangung seltener und kost-
barer Werke dar, so werden auch besondere Beträge bewilligt, wie denn
erst vor Kurzem eine Sammlung orientalischer Manuscripte für mehrere
tausend Gulden angekauft wurde. Eine ununterbrochene Vermehrung er-
wachst der H. durch die Pflichtexemplare, da von jedem in der Monar-
chie erscheinenden Buche ein Exemplar dahin geliefert werden muß. Die
Anzahl der Hauptsammlung von Büchern aus allen Fächern der Wissen-
schaften, welche theils in den Bücherschranken, theils in den 16 kleinen
Cabineten der obern und untern Abtheilung des großen Saales aufge»
stellt sind, beträgt über 300,000 Bande. Die Sammlung alter Druck»
werke (Inkunabeln) aus dem 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts be-
findet sich in einem, links am Ausgange der H. zur Burgseite gelegenen,
großen Zimmer auf das vollständigste geordnet.^ Die Handschriften belau-
fen sich auf ungefähr 12,000 und sind in 3 besonderen Zimmern aufbe-
wahrt, wovon das untere, links am Eingänge des großen Büchersaa-
les , die größten Seltenheiten einschließt. Die Sammlung der Holz»
schnitte und Kupferstiche der H. belauft sich auf ungefähr 300,000Blat-
ter in 800 Bänden, worunter 2l7 Bände bloß Porträte enthalten. Sie
beginnt mit Erfindung der Holzschneide» und Kupferstecherkunst. Noch
enthält diese Sammlung 25 Bände voll Miniaturgemälde, endlich 25
Bände mit einer großen Anzahl vierfüßiger Thiere, Vögel, Pflanzen,
Blumen und Früchte aller Art, auf Pergament nach der Natur auf das
sorgfältigste gemalt. Unter die größten Seltenheiten der H. rechnet
man: Das Original des römischen 8enatu8 cunsultum, wodurch im
Iahreder Stadt.R o m 56? (also 186 Jahre vor Christi Geb.) dieBaccha«
nalien verbothen wurden, auf einer Metalltafel; einen sehr alten Purpur-
codex, eine unentzifferbare Hieroglyphenschrift der alten Mexicaner in
symbolischen Figuren auf einer mit Kalk bereiteten Hirschhaut von 65
Blättem gemalt; des St .Hi lar ius von Poitiers WerküberdieDrey-
einigkeit, aus dem 4. Jahrhunderte, auf echtem Papyrus; ein Bruchstück
des Z.Conciliums von Constantinopel (680—84) ebenfalls auf Pa-
pyrus-, 2 Kräuterbücher des Dioskorides im Manuscript auf Per-
gament; das Psalmenbuch der heil. H i ldegard, Gemahlinn Kaisers
Car l des Großen,'ganz mit Goldschrift auf Pergament; einige
Blätter aus dem Koran, auf Pergament, aus dem 9. Jahrhundert;
ein Evangelienbuch auf Pergament mit Goldlettern und Miniaturge-
mälden von 1268; die Bibel Kaiser Wenzel's, mit auf Goldgrund
gemalten Vorstellungen, in beutscher Sprache, auf Pergament, 2 Fo«
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Band 2
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe E-H
- Band
- 2
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 696
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie