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H o f b u r g . 603
l443 erbaut, mit dem schönen Crucifix von Raphael Donner und
dem Altarblatt von Fe t i , ferner die Schatzkammer, die kaiserl. Pri»
patbibliothek, der sogenannte astronomische Thurm, mehrere Sammlun»
gen. Die kaiserl. Hausofficiere befinden sich ebenfalls im Schweizerhof.
In dem Flügel gegen den Iosephplatz sind die beyden Redoutensäle. —
Das lange, gegen Süden liegende Mittelgebäude der Hofburg, worin
sich auch die Burgwache, immer aus einer Compagnie Grenadiere
bestehend, befindet, wurde unter Kaiser Leopold I. 1660 erbaut.
Hier wohnten Mar ia Th er esia und ihr Gemahl, KaiserFra nz I.,
deren Prachtgemächer mit aller Einrichtung, Betten, Toilette,
Arbeitstischen, Stühlen, Ofen :c. noch heut zu Tage unverändert zu se«
hen sind und deren einige z. B. das große Spiegelzimmer, der Audienzsaal
stets zu verschiedenen öffentlichen Hoffeyerlichkeiten benutzt wurden. Kai«
ser Ioseph l l . wohnte ebenfalls hier, auch wird der gegenwärtig regie»
rende Kaiser Ferdinand.i. diesen Theil der H. für die Folge bewohnen.
1895 wurde ein gegen die Bastey ausspringknder Flügel diesem Theil«
der Burg angebaut, wodurch der herrliche, mit Säulen gezierte große
Rittersaal entstand, in welchem vorzüglich Ordensfest«, Belehnungen lc.
vorgenommen werden. Im 2. Stockwerke dieses Gebäudes befindet sich
jetzt die sehr schön und geschmackvoll decorirte Wohnung des Erzherzogs
Franz Carl mit seiner Gemahlinn der Erzherzoginn Sophie. Durch
dieses Mittelgebäude führen 3 Thore, deren 2 zum Gehen, das mittlere
aber zum Fahren bestimmt ist, dem jedoch, im Gegensatz zu dem schönen
neuen äußern Burgthore, Erweiterung, besonders aber Erhöhung sehr
zu., wünschen wäre. Das westliche Seitengebäude der H. entftand gegen
Ende des 17. Jahrhunderts, und heißt Amalienhof, da es die.Kai-
serinnAmalie Wi lhelmine, Witwe Kaiser Joseph's I., lange
bewohnte. Dieser Hof bildet ebenfalls ein Viereck und hat einen Durch'
gang auf den Ballplatz. Im Amalienhof wohnte auch Kaiser Leo»
pold I I . und bisher der jetzt regierende Kaiser. Auf dem Thurm
dieses Gebäudes befindet sich eine llhr mit einem künstlichen Mond-
globus. Gegen Norden wird der Burgplatz durch das schöne Gebäude
der sogenannten Reichskanzley, eines der prächtigsten Deutschlands,
geschlossen. Es wurde 1728 unter Kaiser Carl VI". von dem berühm-
ten Fischer von Erlach im erhabensten Style aufgeführt. Es hat
4 Stockwerke, an beyden Seiten und in der Mitte Balcone von Mar-
mor, am Giebel ist das Wapen des Erbauers, Carl's V I . , ange-
bracht. Das Gebäude fübrte bis zur Aufhebung der deutschen Reichs«
Verfassung, 1807, seinen Nahmen Reichskanzley mit der That, seit-
dem ist es jedoch zu Wohnungen für Mitglieder der kaiserlichen Familie,
sowie zuBureaux für verschiedene Hofämter bestimmt. Den großen Saal
im 2. Stockwerke zieren drey schöne enkaustische Wandgemälde vonPeter
Krafft, drey merkwürdige Momente aus dem Leben des Kaisers FranzI.
vorstellend. Die zwey großen Eingänge durch dieses Gebäude von der in-
nern Stadt auf den Burgplatz bestehen jn großen Schwibbogen, jeder
derselben ist gegen den Burgplatz zu mit zwey Gruppen kolossaler Größe
geziert, welche die vier bekannte» Arbeitendes Herku l es: Den Kampf
mitAnteus, mitBusiris, mit dem nemäischenLöwen und endlich mit dem
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Band 2
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe E-H
- Band
- 2
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 696
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie