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Hofer Ioh . l3 vang. K07
nathe hielt er sich hier unter Schnee und Eis verborgen, alle Drohungen
und goldenen Worte der französischen Generale konnten keinen Verräther
sinden, endlich wurde angeblich durch Verrath seines ehemahlige» Anhän-
gers Donay, der Mann, welcher den Flüchtigen Speise und Trank
brachte, gefangen genommen und der Ort des Aufenthalts H.'s theils durch
Versprechungen, theils durch Todesdrohungen von ihm erpreßt. Als
die französischen Grenadiere die schroffe Gebirgshöhe in Schnee und Eis
öußerst mühsam und gefahrvoll erklommen hatten und an die fest verschlossene
Hütte mit Ungestüm klopften, öffnete H., der einsah, daß kein Entrinnen
mehr möglich sey, persönlich die Thüre, und trat mit den mannhaften
Worten heraus: „Ich bin Andreas Hofer und befinde mich in eurer
Gewalt, tödtet mich, wenn ihr wollt, aber verschont meine Frau und
Kinder, sie sind unschuldig und können für mein Betragen nie verant«
wortlich seyn." H. wurde nun gebunden fortgeführt, in der Hütte fand
man 4 geladene Gewehre, einen Beutel mit ungefähr 1,200 Franken
in verschiedenen Münzsorten und 28,000 Gulden Papiergeld. H. wurde
hierauf nebst seinem Secretär unter sehr starker Militär-Escorte nach
Mantua transportirt. Sein Sohn, welcher die Füße erfroren hatte,
wurde, nach vieler Fürsprache, der Mutter zurückgelassen. Äußerst rüh»
rend war der Abschied der beyden Gatten. In Mantua ward H. in
das Gefängniß des Hafenforts über den Wasserfall des Mincio gebracht.
Nach Abschluß des in aller Eile gehaltenen Kriegsgerichtes wurde ihm
bereits den 19. Febr. 1810 das Todesurtheil vorgelesen, das er mit Stand«
haftigkeit anhörte, und nur um Schonung seiner Frau^und Kinder bath,
die ihm auch zugesagt wurde. Der20. Febr. war zu H.'s Todestag bestimmt;
er beichtete, stärkte sich noch durch einen Schluck Wein und ging dann
um Z auf 11 Uhr Vormittags, ein kleines hölzernes, mit einigen Blu»
mensträußen umwundenes Crucifir in beyden Händen vor sich haltend,
mit festen Schritten nach dem Nichtplatz. Die Augen ließ er sich nicht
verbinden und fiel hierauf, durch die Kugeln von zwölf Grenadieren durch-
bohrt, ein heiliges Opfer für das Vaterland. Kurz nach H.'s Tode wurde
allen seinen Mitgefangenen ein Generalpardon angekündigt. Kaiser
Franz I. ließ 1816 die Familie des gefallenen Helden, welcher bereits '
1809 geadelt worden war, das Adelsdiplom ausfertigen und entschädigte
sie reichlich für den Perlust ihres Vermögens. 1823 wurden auf kaiser«
lichen Befehl die Gebeine des Andreas Edlen vonHofer aus M a n°
tua nach Innsbruck gebracht und daselbst in der Franciscaner-Hof-
kirche zum heil-. Kreuz feyerlich zur Erde bestattet, auch die Errichtung
eines Denkmahls angeordnet, welches 1833 durch H.'s von Professor
Schaller in Wien vortrefflich gearbeitete, überlebensgroße Statue zu
Stande kam.
Hofer, Ioh. Kvang., Doctor der Philosophie und Theologie,
geistlicher Rath, Benedictiner zu S t. Peter und Professor der Theologie
ander Universität zu Salzburg; geb. zu Salzburg den 31. Dec.
1757. Er studirte daselbst, und trat 1777 zuSt. Pet er in den Bene«
dictinerorden, in welchem er seine theologischen Studien vollendete. 1780
wurde er Priester; 1789 an der Universität zum Doctor der Theologie
promovin. 3 Jahre vorher ging er auf gelehrte Reisen, tesuchle die
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Band 2
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe E-H
- Band
- 2
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 696
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie