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Hoffmann, Leop. Aloys. — Hofgastein. 609
bey Austerlitz 1805 wurden jedoch beyde Anlagen wieder zerstört. H.
hielt sich einige Zeit auf einem Gute des Fürsten Fugger bey Augs-
burg auf, und begab sich 1806 wieder nach Warschau zurück, wo er
bis zum Eintritt« der französ. Regierung aufs Neue unermüdet wirkte.
Diese hob jedoch das ganze Collegium, angeblich als staatsgefahrüch, auf,
und führte sämmtliche'Mitglieder desselben als Gefangene nach Kü str in.
Daselbst wurden sie 2 Monathe lang gefangen gehalten; da man die
Schuld, deren man sie bezüchtigte, an ihnen nicht fand, wurden sie
zwar wieder freygegeben, doch durften sie nur zwey und zwey zusammen-
bleiben. Die zerstreute Congregation suchte nun in andern Ländern Schutz
und Zuflucht, undH. begab sich nach Wien, wo er 1808 ankam. Hier
lebte er ganz seinem Lieblingswunsche, der Errichtung einer Congrega-
tion seines Ordens in Osterreich. Die Hoffnung, diesen Wunsch in Er-
füllung zu bringen, machte es ihm unmöglich, sich von Wien zu tren-
nen. Durch längere Zeit besorgte er daselbst den Gottesdienst in der Kir-
che der italienischen Nation und wurde endlich Director und Spiritual
in der Kirche der Ursuliner-Nonnen. Er starb den 15. März 1820, we-
nige Tage vor der endlichen Erfüllung seines Lieblingswunsches, der Ein-
führung seines Ordens in Wien, und wurde auf dem Kirchhofe zu M a>
ria Enzersdorf, wohin auch später L. Fr. Z. Werner begraben
wurde, zur Ruhe gebracht. Hier wurde ihm ein Denkmahl mit einer
einfachen Inschrift gesetzt.
Hoffmann, Leop. Aloys, Doctorder Philosophie, quiescir-
ter Professor der deutschen Sprache und Literatur, ein, seiner Zeit Epo-
che machender polemischer Schriftsteller Wien's, war geb. daselbst 1748.
Nach absolvirten Humanioren studirte H. auf der Universität zu Pesth
die höheren Wissenschaften und wurde 1788 daselbst als Professor der deut-
schen Sprache und Literatur angestellt, 1790 kam er in gleicher Eigen»
schaft an die Wiener Universität, undwurde 1792 in Pensionsstand gesetzt.
Er starb zu Wiener-Neustadt 1801. Seine wichtigsten Schriften
sind: Gedichte, Bresl. 1778. — Anfrage an die Herrn Predigtkritiker
zu Wien :c. Wien und Prag 1782. — Zehn Briefe von der schlesischen
Gränze an den Verfasser der Briefe aus Berlin, 2. Aufl. Wien 1784.
— Geschichte der Päpste von Petrus bis Pius VI. 2 Thle. eb. 1786—
91. — Vorlesungen über die Philosophie des Lebens, eb. 179 l. In
Gesellschaft Anderer gab H. heraus: Wöchentliche Wahrheiten für und
über die Prediger in Wien, 1. — 3. Bdchn. Wien und Prag 1782.
2. Aufl., eb. 1782. 4. Bdchn. eb. 1783, und deren Fortsetzung unter dem
Titel: Über den Gottesdienst und die Religion in den österr. Staaten,
ß Thle. Wien 1783 — 85, endlich auch noch allein: Wiener Zeitschrift,
in 12 Heften oder 4Bden.Wien 1792 und 6 Hefte oder 2 Bde. eb. 1793.
Obige Schrift: Wöchentliche Wahrheiten, machte viel Aufsehen, und reZte
hier und da gewaltig auf, hatte aber doch die gute Wirkung, daß die
Prediger mehr auf gesunde Vernunft und Geschmack sahen.
Hofgastein (Hof, Hof in der Gastein), oberösterr. Markt-
stecken im Salzburger Kreise, am rechteu Ufer der Ache, von schonen
Wiesen und fruchtbaren Saatfeldern umgeben, ist der Hauptort des Ga-
steinerthals. Hier ist ein Landgericht, eine Posterpedition und ein Sie-
0«sterr. Nat. Tncyll. Vd. II. 39
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Band 2
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe E-H
- Band
- 2
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 696
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie