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6l8 Hoftheator, k. k., nächst der Burg.
R a ab die schonen Wissenschaften und durch 2 Jahre die Philosophie zu
Wien, wobey er sich auch in den morgenländischen Sprachen übte und
der höheren Mathematik oblag. Zu Linz war er Lehrer der Grammatik,
und zu Passau Lehrer der Rhetorik; studirte die Theologie wieder in
Wie» uud wurde daraus Baccalaureus. 1773 übernahm er in der k. t.
Theresianischen Ritterakademie das Lehramt der schönen Wissenschaften,
und hielt neben diesem auch Vorlesungen über die bildenden Künste und
ihre Geschichte. Nach Auflösung der Ritterakademie durchKaiserI osepH
1783 privatisirte er zu Wien, begleitete 1786 den jungen, talentvollen
Fürsten Carl Liechtenstein auf dieUniversitätnachGö tt ing en,wo
er sich mit ihm bis 1788 aufhielt. Er wurde sodann Universitäts-Biblio-
thekar und 178? zugleich Beysitzer der Studien-Revisions-Hofcommission
und eben zu dieserZeit, als Kaiser Franz aufH.'s Vorstellung dasThere-
sianum auf seinen ursprünglichen Fuß setzte, und in dieser Hinsicht auch
H.'s Plan bestätigte, zum Director desselben bestellt. 1803, alsdieAka-
demie eine neue Einrichtung erhielt, und die Leitung derselben an die
Piaristen überging, ward H. seines Directorats enthoben, und zur k. k.
Hofbibliothek als zweyter Custos mit dem Titel eines k, k. Rathes und mit
Beybehaltung der Aufsicht über die Universitäts-Bibliotyekübersetzt. Die-
ser wurde er aber in Rücksicht der bey der Hofbibliothel vorkommenden
häusigen und wichtigen Arbeiten enthoben. 1806 erhielt er von Ma-
riaAnnaIosephine, verwitweten Fürstinn vonLiechtenstein, noch
eingedenk seiner treuen Sorge um die Verstandesbildung ihres verbliche-
nen Gemahls, die Pfarre zu Groß tajar in Mahren, H. starb den 22.
Aug. 1822. Er schrieb: Nachrichten von Kunstsachen in Italien, 2Bde.
Wien 1792, und gab heraus: Magazin der Kunst und Literatur, 6 Hefte,
eb. 1784. — Altdeutsche Gedichte aus den Zeiten der Tafelrunde, 2
Bde. Wien, 1811.
Hoftheater, k. k., nächst der Burg in Wien. Dieses in
neuerer Zeit so ausgezeichnete Kunstinstitut verdankt seine Entstehung der
unvergeßlichen Kaiserinn Mar ia Theresia und ihrem Gemahl, Kaiser
Franz I., welche 1741 das Theatergebäude errichten ließen, und dem
deutschen Schauspiele, welches seit 17l>8 in Wien stabil geworden war,
widmeten. Da der eigentliche Gründer des deutschen Schauspieles in Wien
der berühmte HanswurstIoseph Stranitzky war, so beschränkte sich
dasselbe auch in jener Zeit vorzugsweise nur auf extemporirte Burlesken und
hatte noch obendrein mit den italienischen Opern und Arlekinaden zu käm-
pfen, welche schon seit 1705 inWien einheimisch waren, und wovon er-
stere sich des besondern Schutzes des Hofes, letztere der Gunst des Pu-
blicums zu erfreuen hatten. Erst 174? gelang es dem Schauspieler Weid-
ner, durch Gottsched's Theaterreformation ermuthigt, ein regelmäßi-
ges metrisches Schauspiel vonKrüger: „Die alemanischen Brüder," auf
die Bühne zu bringen, das, an sich zwar ohneWerth, doch der Neuheit
der Sache wegen, das Publicum anzog, weßhalb sich der damahlige Di-
rector Sel l ier bewogen fand, die Bühne auf einen regelmäßigeren
Fuß zu setzen und mehrere Mitglieder der damahls berühmten Neub e r-
schen Gesellschaft mit der ausdrücklichen Contractsclausel „für studirte
Stücke" zu engagiren. Allein noch immer war die Vorliebe für extempo«
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Band 2
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe E-H
- Band
- 2
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 696
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie