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H o l l a r. , 633
gutem Erfolge unter dessen Schutze, aber dessen Tod beraubte H. seiner
Stütze und er rang aufs Neue mit der äußersten Noth. Seine Familie
zu erhalten, mußte er Vignetten für Bücher und dergleichen wenig ein-
tragliche Arbeiten übernehmen. Nur sei» außerordentlicher Fleiß verschaffte
ihm Unterhalt und machte ihn so berühmt, daß man ihn beynahe zwang, sein
eigenes Porträt in Kupfer zu stechen. Er that es 1647, da er eben 40
Jahre alt war. Nach 6 Jahren, die er in Antwerpen zubrachte, reiste
er abermahls nach London, wo er sein Glück versuchen wollte, und von
da machte er eine Seereise nach Amerika, wo er Gelegenheit fand, die
schönsten Gegenden aufzunehmen/ um sie nach der Zeit in Kupfer zu ste-
chen. Indessen verfolgten ihn lange noch widnge Schicksale. So lange er in
London lebte, hatte er mit Noth zu kämpfen; in Amerika würde er
in die Sclaverey gerathen seyn, wenn er sich nicht tapfer vertheidigt hätte.
Endlich gelang es ihm über die Hartnäckigkeit des Geschickes zu siegen. Er
kam wieder glücklich zu seiner Familie nach London zurück und sing an,
die bereits in Amerika aufgenommenen Gegenden in Kupferstichen heraus-
zugeben. Dadurch erwarb er sich neuen Ruhm und Mittel, den Abend
seines kummervollen Lebens im Wohlstande zuzubringen. H. ist vielleicht
der Erstegewesen, der die Kupferstecherkunst in England emporgebracht. Die
nach der Zeit berühmten Künstler Franz Place, Fr. Cateriu s, Da-
niel King, Gaywood, Dudläus und Tempestus waren H.'s
Schüler, so wie auch sein Sohn, der im 17. Jahre seines Alters ge-
storben. Von seinen Werken zählt man 2,397 Stücke. Sein Kunsttalent
kann man am besten aus.seinen Insecten, Thieren, Landschaften, Por-
traten und dem Pelzwerke abnehmen, was er Alles nach der Natur mit
vielem Fleiße gezeichnet. Er starb in London 1677 im 7l). Jahre seines
Alters und wurde in der St. Margarethkirche begraben. Ein kunstliebender
Engländer ließ ihm in dieser Kirche 1759 ein Monument errichten, mit
der Aufschrift: „Wenceslauz Hollai-a Loneinian Gentleman, born
in I^i-azue, lalnolis in arts l)v ni5indes3tiß2l)Ie ll>l)our5, nas Ie5t
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Marcn, 1677. ^nnc> aet. I.XX " Deutsch: „Wenzel Hollar, ein
böhmischer Edelmann, geboren in Prag, und einer der berühmtesten
Künstler, der durch seinen unermüdeien Fleiß viele Werke, die ihn der
Nachwelt empfehlen, hinterlassen hat. Dazu wurde er am ersten von sei-
nem edlen Gönner (Arun del) aufgemuntert, dann von Kennern die-
ser Kunst geliebt und geschätzt. Nachdem er viele Länder durchreiste, wur-
de zer endlich hier begraben. Er lebte zu London und starb in dieser Pfarre
den 28. März I677 im 70. Jahre seines Alters." H.'s Werke überhaupt
sind: Vorstellungen aus der geistlichen Geschichte und religiösen Inhalts,
214 Stücke. — Aus der Profan-Geschichte und Mythologie, 244. —
Schiffe, Seehäfen und Seegegenden, 40. — Landcharten, Landschaf-
ten, Prospecte, 464. — Zeichnungen dei Leonardo da Vinci und
anderer italienischer Künstler, l08. — Holländische Zeichnungen und
Gemälde, 52.— Kleidungen verschiedener Nationen und Ordensgeisili.-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Band 2
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe E-H
- Band
- 2
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 696
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie