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Hormayr, Ios. Freyh. v. 6l8
Hormayr-Hortenburg, Ios. Freyh. v., tyrolischer Kanzler,
k. k. geh. Rath, Ritter des St. Stephan-Ordens, juristischer und pu»
blicistischer Schriftsteller, Großvater des berühmten Historiographen glei-
ches Nahmens, war geboren 1705 zu Innsbruck. Er wurde zuerst
im österr. Theile von Schwaben und dann in Tyrol angestellt, wo er
die neue Organisation dieses Landes nach Maria Theresiens ab»
geändertem Systeme besorgte. H. machte sich daselbst um den Straßen»
bau sehr verdient. Auch sprach er zuerst in Osterreich gegen die Anwen-
dung der Folter und zeichnete sich bey jeder Gelegenheit als Beförderer
der Künste und Wissenschaften aus, so z. B. durch seine Unterstützung
des gelehrten Bauers Peter Anich, der Naturforscher Scopoli und
der beyden Fontana, des berühmten historischen Kritikers Tartaro t-
t i , so wie durch seine Verbindungen imt Mura tor i , Maf fe i und
den bayrischen Akademikern. Er starb zuInnsbruck 1778.
Hormayr-Hortenburg, Ios. Freyh. v., wurde am 20. Jan.
1782 zuInnsbruck, aus einem ursprünglich altbayerischen, jedoch schon
seit 300 Jahren in Tyrol ansäßigen, Geschlechte geboren, das bereits
1361 in Aibling und Rosenheim urkundlich erscheint. Er vollen»
dete seine Bildung auf der Innsbrucker Hochschule, trat im May 1737
zu Innsbruck in Praxis, machte in der Tyroler Landwehre die Feld-
züge von 1799 und 1800 mit und stieg vom Gemeinen bis zum Adjutan-
ten des Obercommandos und auf Veranlassung der Feldmarschall-Lieute-
nants Hit ler und Ch asteler, bis zum Divisionscommandanten und
Major. Er erhielt auch die silberne Tapferkeits-Medaille. Im März
1802 Hofconcipist und im April 1803 referirender Hofsecretär in der
geh. Hof- und Staatskanzley zu Wien, in der Section von Deutsch»
land, ward er im Iuly 1802 nach dem Tode desHofraches D a i se r pro«
visorischer, und im April 1808 wirklicher Director des geheimen Haus-,
Hof- und Staatsarchives, im Dec. 1808 Ritter des neu errichteten Leo-
pold-Ordens. 1809 wurde H. der Armee von Innerösterreich unter den
Befehlen des Erzherzogs Johann mit der gefahrvollen Aufgabe beyge-
geben, die vorbereitete Insurrection der Tyroler zuleiten. Er trat mu-
thig an die Spitze der allgemeinen Landesbewaffnung und führte dieselbe
unter großen Hindernissen, fast von allen Mitteln entblößt, meist in
verzweiflungsvoller Lage, vom Feinde in die Acht erklärt, durch Hülfe
seiner treuen und tapfern Landsleute mit großem. Erfolge fort, bis der
Waffenstillstand von Znaym die Räumung Tyrols^ und Vorarlbergs ge-
both. Im Sept. 1809 wurde H. wirll. Hofrath, im August 1816 Hi-
storiograph des kaiserl. Hauses. -— Von gelehrten Gesellschaften für
Kunst, Geschichte, Alterthumskunde und Landbau ernannten ihn jene
von Göttingen, München, Ber l in , Kopenhagen, Wien,
Breslau, Bern, Philadelphia, Würzburg, Frankfurt,
Minden, Nassau, Dresden, Innsbruck und Brunn zum
Mitglied«. Die Freundschaft seines Großvaters mit dem berühmten Fürst-
abt Gerbert brachte H. schon als zwölfjährigen Knaben, Behufes der
Germania saci-a in Briefwechsel mit den gelehrten St. Blasiern Neu-
gart, Eichhorn und Ussermann. Schonim 13. Jahre gab er die
Geschichte des Hauses Andechs in Druck, im 19. wurde er in Folas
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Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Band 2
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe E-H
- Band
- 2
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 696
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie