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H o r n e cd', O t t o r a r v. 6i7
welches ihn bestimmte, seiue Militärstelle aufzugeben und sich dem Civil-
dienste zu widmen. 1803 sachte er um seine Entlassung an, erhielt sie
und wurde nach gehörig vollendetem, vorgeschriebenen Lehrcurse ai»f der
medicinisch, chirurgischen Lehranstalt zu Gr^tz 1804 als Assistent der
Gräser allgemeinen V '^rsorgungsanstalten angestellt. 18l)^ wurde er
zum Primär-Wundarzt und Geburtshelfer dieser Anstalten befördert.
1811 erhielt H., nachdem er schon einige Jahre im Lehramts der theo-
retischen Chirurgie supplirc hatte, die ord. öffentl.Professur der theoretischen
und practischen Geburtshülfe an dem Lyceum zu G r ä tz und wur-
de zugleich Geburtshelfer des Gebärhauses daselbst. IL18 erhielt er von
der medicinisch-chirurgischen Facultät zu Marpurg die Doctorswürde
der Medicin, Chirurgie und Geburcshülfe, und wurde 1822 als Pro-
fessor der theoretischen Gedurtshülfe an die Universität zu Wien beru-
fen. Die von ihm bisher im Drucke erschienenen Werke sind: Beschrei-
bung eines zu Unterbindungen sehr zweckmäßigen Instrumentes, nebst
einer Sammlung sehr merkwürdiger Krankheits- und Heilungsgeschich«
ten, Gcätz 1311. — Theoretisch-practisches Lehrbuch der Geburtshül-
fe lc. 2 Thle. Grätz 1814. — Lehrbuch der Geburtshülfe zum Unter-
richt für Hebammen :c. ed. 1825. — Theoretisch - praccisches Lehrbuch
der Geburtshülfe für angehende Geburtshelfer, eb. 1825. —- Bemer-
kungen und Erfahrungen über einige Gegenstände der practischen Ge«
burcshülfe, als wesentlicher Anhang zu Vorigem, eb. 1826.
Horneck, Gttokar v., einer der ältesten Geschichtschreiber in
deutscher (gereimter) Sprache, war um 125(1 auf seinem Stammschlosse
Horn eck in Steyermark geboren. Conrao von Rotten bürg unter-
richtete ihn in der Kunst des Minnegesangs. H. wohnte im Gefolge Ru«
dolph's von Habsburg der Schlacht am Weidenbache, so wie des-
sen Zuge nach Böhmen bey, kehrte sodann in seine von dem böhmischen
I»che befreyte Heimath zurück, wo ihn der auf der Burg zu Grätz re°
sidirende steyermärkische Landeshauptmann Otto von Liechtenstein
vorzüglich schätzte und in seinen Haushalt aufnahm. H. verwendete nun
seine ganze Muße auf die Darstellung geschichtlicher Begebenheiten, die
er in Reimen schrieb, da in damahliger Zeit die deutsche Prosa noch
nicht zur Darstellung gebildet war. Er starb ungefähr um 1330. Wir be-
sitzen von ihm folgende Werke: Über die Weltreiche und deren Regenten,
welches sich mit dem Tode Kaiser Friedrich's I I . schließt (im Manu-
script in der kaiserl. Hofbibliothek zu Wien); dann jene berühmte, aus
mehr als 83,000 Versen bestehende österr. Reimchronik (ebenfalls hand-
schriftlich in der kaiserl. Bibliothek), welche die Geschichte Österreichs von
Manfred's Tode bis zu Kaiser Heinrich VI l . umfaßt und für die
Geschichte Ru dolph's von H.absb urg, Ottokar's, Adolph's von
Nassau und Albrecht'sI. von Osterreich vorzüglich wichtig ist. Es ist reicher
als irgend ein anderes Werk dieser Zeit an ausführlichen Beschreibungen
und Schilderungen, die nur manchmahl zu sehr ins Weitläufige gehe»,
dabey ist Gerücht und Fabel sorgfältig von Geschichte geschieden. Der Be-
nedictiner Pez gab diese Chronik 1745 als dritten Band seiner
tore5 lei-lin» ^uztriacsiuin heraus.
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Band 2
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe E-H
- Band
- 2
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 696
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie