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Hubertsburger Friede. — Huebcr, Blas. 657
gische, Sweo» und Mäso-Gothische, Angelsächsische, Sassische, Roma-
nische, die Langue d'oui und Langue d'oc, die italienischen Mundarten,
das Syrische, Chaldäische u. a. Diese linguistischen Hülfsmittel sollten
ihm aber nur als Schlüssel dienen, um in die verschiedenen National-Li>
teraturen tiefer eindringen und zu gewissen Resultaten in der Geschichte
des menschlichen Geistes gelangen zu können. Auf wiederholten Ausflü-
gen nach einem großenTheile der österr.Mo,>>archie, nach Deutschland und der
Schweiz, nahmentlich auf einer Reise nach Rom und Neapel suchteer
seine Menschenkenntniß zu bereichern, seine Kunstansicht zu berichtigen.
Die Poesie, deren Spur er bey fremden Nationen verfolgte, hatte schon
früher in seiner eigenen Brust selbststandige Wurzeln geschlagen. Seine
Dichtungen sind lyrischer und epischer Natur. Seine bisher gedruckten
talentbeweisenden Dichtungen, poet. Übersetzungen und durch Kenntnisse/
Geist uud stylistische Gediegenheit und Leichtigkeit sich unterscheidenden
vermischten Aufsätze über Volkspoesie, Cultur und Kunst, dann publici-
stischen, historischeu und kritischen Inhaltes erschienen im „Morgenblat-
te," in der „Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mo-
de," in der „österr. Zeitschrift für Geschichts- und Staatskunde, und
den Blättern für Literatur, Kunst und Kritik," und in andern periodi-
schen Blättern; dann im „Musenalmanach," in der „Vesta," und in
andern Taschenbüchern und literarischen Unternehmungen. Seit Jahren
beschäftigt er sich mit einer Sammlung characterisiischer Nationaldichtun-
gen zur Ergänzung der Geschichte der Poesie.
Huberwburger'Friede, s. Friedensschlüsse.
Hueber, BlaslUS, rühmlich bekannter Geograph und Landmesser,
war geboren zuOber-P erfus in Tyrol, dem Geburlsorte des berühmten
Anich (s. d.),, den 1. Febr. 1735, Sohn eines Bauers. Er erhielt kei-
nen andern Unterricht, als daß er zur Noth lesen und schreiben lernte,
besondere Geschicklichkeit aber erwarb sich H. im Rechnen und stand, deß-
halb bey seiner ganzen Gemeinde in großem Rufe. Als sein berühmter
Landsmann Anich 1765 durch Kränklichkeit bestimmt wurde, sich zu sei-
ner Landvermessung einen Schüler und Gehülfen zu nehmen, fiel seine
Wahl auf H., welcher den Antrag mit großer Begierde ergriff, eisernen
Fleiß zeigte und in kurzer Zeit unter A ni ch's Leitung ungeheure Fort-
schritte machte. Nach dessen Tode 1766 setzte H. das Unternehmen so ener-
gisch und mit solch'glücklichem Erfolge fort, daß man seine Arbeit voll-
ständig geeignet fand, als Fortsetzung jener von Anich zu dienen. 1767
wäre H. bald das Opfer der Wuth einiger Bauern im Trienter Bezirke
geworden, welche die Messung ihrer Felder als eine Folge derdurch M c-
riaTh eresia in Tyrol eingeführten allgemeinen Steuerregulirung an-
sahen, er mußte sich durch schnelle Flucht retten und konnte seine Arbeit
erst nach Jahresfrist, während welcher die Bauern eines Bessern belehrt
wurden, fortsetzen. 1769 war die Aufnahme des südlichen Theiles von
Tyrol uud somit das ganze große Werk vollendet, die Charte wurde 4774
durch den geschickten Wiener Künstler Ioh an n Ern st Mansfeld in
Kupfer gestochen, und in ganz Europa mit außerordentlichem Beyfalle auf-
genommen, ja mit solcher Begierde gekauft, daß die erste Ausgabe in
wenig Jahren ganz vergriffen war. H.'s Verdienste wurden auf das ehren-
Qesierr. Nat. Encykl. Vd. II. 42
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe E-H, Band 2
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe E-H
- Band
- 2
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 696
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie