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Österreichische National-Enzyklopädie - Buchstabe E-H, Band 2
Seite - 669 -
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Hussiten und Hussitenkrieg. men an. Man antwortete den Schriften des Costnitzer Consiliums, das den Tod von Huß anzeigte, in den stärksten Ausdrücken, wollte den König Wenzel zwingen, einige Kirchen zur Ausübung des hussitischen Gottesdienstes, der besonders in Empfang desAbendmahls unter beyderley Gestalten bestand, einzuräumen, und 400 der vornehmsten Böhmen erschie- nen, als das Concilium sie vorforderte, nicht. Zu offenen Flammen brach aber der Aufruhr aus, als man auch dieHinrichtung des Hi eron y mus von Prag erfuhr. Schou früher hatte man den Berg Hradistin im Bechi- ner Kreise, woH u ß einst auf freyemFelde gepredigt hatte, zum Mittelpunct des Aufstandes gemacht, ihn befestigt und Tabor (daher die H. auch Ta» boriten heißen) genannt. Oft kamen hier 4(1,000 Menschen zusam- men, um die »eue Lehre zu hören, und das Abendmahl unter beyderley Ge- statten zu empfangen, süon Tabor aus ward die neue Lehre so verbreitet, dnß man es sogar wagte, in Prag feyerliche hussitische Processionen mit dem Kelch zu halten. Bey einer derselben (30. Iuly1419)craf ein Stein von dem Rathhause her geworfen, einen hussitischen Priester; wüthend stürmte das Volt das Rathhaus, und stürzte 13 Rathsherren zum Fen- ster hinaus, die man unten mit Spießen auffing. Als König Wenzel die Nachricht hiervon erhielt, gerieth er in solchen Zorn, daß er am Schlage starb. Die H., unter denen I o h a n n Z i s k a von Trocz« now und Nic. von Hussinetz die vornehmsten Anführer waren, hatten nach dem Aufruhr sich P rag ' s bemächtigt und die kaiserliche Besatzung in das dasige Schloß zurückgedrängt, und verübten nun durch Beraubung und Zerstörung vieler Klöster mancherley Gräuel, die durch ähnliche von Seite der gereizten Katholiken gerächt wurden. Siegmund war der natürliche Erbe Wenzel's, allein die H. er° kannten ihn nicht als Herrn an. Mit Mühe erlangte W enz el's Witwe im Nov. 1419 einen fünfmonarhlichen Stillstand mit den Pragern, doch verließZ iska mit demselben unzufriedenP rag, begab sich nach Pilsen und dann nach Tabor, das er verstärkte und wo er die Seinen, in den Waffen übte. Sieg mund verlor indessen die günstige Gelegenheit, die H. zu besiegen, indem er gegen die Türken Krieg führte; als er endlich heimkehrte, versprachen die Prager zu B rün n Huldigung, allein zu Breslau zeigte sich der Kaiser feindlich gegen die H., so daß diePra- ger wieder ihrer Zusage uMreu wurden. Der Kaiser belagerte nun die StadtP rag 1420 mit einem Heere von 80,000 M., konnte sie jedoch, obgleich er die Kleinseite und beyde Schlösser von früherer Zeit her im Besitz hatte, nicht bezwingen. Ziska eilte der Stadt zu Hülfe, und schlug einen Sturm auf sein verschanztes Lager auf dem Berge, der noch jetzt Ziskaberg heißt, ab, und nöthigte so den Kaiser abzuzie- hen, nachdem er sich zuvor noch im Schlosse zu Prag zum König von Böhmen hatte krönen lassen. Die Prager Bürger hatten während der Belagerung dem Kaiser 4Artikel (oiePrager vierArtikel) vorgelegt, und ver- sprachen, wenn diese gewährt würden, sich zu unterwerfen. Sie verlangten 1)Religio»sfreyheits 2) das Abendmahl unter beyderley Gestalt, 3) Güter- losigkeit der Geistlichkeit, 4) Bestrafung aller Todsünden mit dem To,de. Na- türlich nahm Sieg mund diese Bedingungen, wo besonders der letzte Ar- tikel zu Sittengerichten führen mußte, wogegen das strengsteInquisitionsge-
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Österreichische National-Enzyklopädie Buchstabe E-H, Band 2
Titel
Österreichische National-Enzyklopädie
Untertitel
Buchstabe E-H
Band
2
Autoren
Franz Gräffer
Johann Czikann
Verlag
H. Strauß
Ort
Wien
Datum
1835
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.3 x 22.0 cm
Seiten
696
Schlagwörter
Nachschlagewerk, Biografien
Kategorien
Lexika National-Enzyklopädie
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