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L e i n e n st o f f e.
Gegend zur andern ziehen, und sich in den Hausern aufdingen lassen,
um aus dem im Hause gesponnenen oder angekauften Garne Leinwan-
den zu weben. V o r a r l b e r g liefert auch gutes Segeltuch. — Im
lombardisch-venetianischen Königreich, zumahl im Vene-
tianischen, werden fiachsene und hänfene Leinwanden von verschiedener
Heinheit, Zwillich und Damast, Segeltücher, Packtücher, Matratzen-
Überzüge :c. in ziemlicher Quantität verfertigt, die große Tischzeugfa-
brik zu Bresci>a verdient hier besonders angeführt zu werden; übri-
gens webt in der Lombardie ein Theil der Landleute selbst seinen Bedarf
an Leinwänden, und in einigen Gegenden, wie z. B. der Provinz B er-
g a m o, ist fast jede Wohnung mit einem Webestuhle versehen. Demunge«
achtet ist das Erzeugniß der italienischen Provinzen nicht hinreichend,
den einheimischen Bedarf zu decken, und es werden deßhalb noch viele
Lemenstoffe aus Böhmen und andern Provinzen der osterr. Monarchie
eingeführt. — I n Ungarn, Siebenbürgen und der Mi l i tä r ,
gränze werden jährlich große Quantitäten von gröberer und mittlerer
Leinwand gewebt, einige Gegenden, wie die Zips, das Saroser,
Liptauer, Arvaer, Trencsiner, Oömö'rer Comitat, die Gegend um
Kronstadt zc. zeichnen sich durch die Menge ihrer Erzeugnisse beson-
ders aus. Die Hausweberey wird in vielen Gegenden / am stärksten und
allgemeinsten in der Militärgränze betrieben, wo in manchem Bezirke
fast jedes Gränzhaus mit seinem eigenen Webestuhle versehen iA, worauf
indessen freylich nur der eigene Bedarf, selten eine kleine Quantität für
den Verkauf gewebt wird. Im walachisch - illyrischen Bezirke werden
allein jährlich bey 300,000 Ellen meist sehr grober und schmaler Lein-
wand verfertigt, in der slavonischen Grcinze über 1 Million Ellen
Leinwand aus Flachs und Hanf, welche jedoch ebenfalls sehr schmal ist. —
In Da lmat ien ist die Fabrikation unbedeutend, desto thatiger je-
doch in Gal iz ien , es ist dieses hier der einzige Industriezweig, der
als wahrhaft einheimisch betrachtet werden kann, und dessen Ausbreitung
es zuzuschreiben ist, daß auf dem wenig fruchtbaren Boden der westli-
chen Gebirgsgegenden dennoch mehrere tausend Weber ihren Unterhalt
gewinnen können. Man verfertigt im Myslenicer Kreise zu Zyviec,
Andrychau / Dembowice, Zmigrod:c. feine Damaste, Zwil-
liche u. dgl., die ehemahls, vermischt mit den schlesischen Fabrikaten,
ihren Weg bis nach Spanien und Portugal, ja nach Westindien nah-
men. In andern Kreisen, z. B. im Sandecer, Iasloer, Sanoker,
Nzeszower, Przemysler, Samborer und Zloczower werden sehr viele
ordinäre Flachs- und Hanfleinwanden (sogenannte polnische Leinwand)
verfertigt und versendet, auch im Brzezaner, Tarnopoler und Stryer
Kreise werden ganz grobe Hanf- und Wergleinwanden, so wie Pack-
und Segeltuch erzeugt. — Der Handel mit Leinenwaaren, der für den
osterr. Staat immer in Activität, jedoch durch längere Zeit bedeutend
herabgekommen war, hat sich in den letzten Jahren wieder sehr geho-
ben. Auf den Leipziger Ostermessen wurden mehrere, für den großen
Waarenhandel bestimmte Leinwandgattungen wiedergesucht, und es fan-
den auch wieder Einladungen zur Einsendung von Consignationen nach
Amerika Slatt. Böhmen zieht davon den größten Gewinn, versendet
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie