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biethe erbauen liesi. 1340 warL. bereits ein wichtiger Ort, welchen Ca-
simir I., König von Polen, nachdem er ihn durch Überrumpelung er-
obert hatte, zum Theil verbrennen und insbesondere das feste Schloß zer-
stören ließ, um diesen Platz für die Zukunft unhaltbar zu machen; aber
bald hernach erhob sich L. wieder, und wurde sogar die Hauptstadt des
' Fürsienthumes, nachdem es Hal icz sowohl an Bevölkerung, als in
Rücksicht seines bequemeren Anbaues weit übertraf. 1656 hielt L. eine
zweymonathliche Belagerung von den Russen aus, die es nicht einzuneh-
men vermochten. 1672 belagerten die Türken diesen Ort ebenfalls vergeb-
lich ; um sie mdessen von ihren Mauern zu entfernen, erkauften die Ein-
wohner den Rückzug derselben mit 30,000 Thalern. 1704 eroberte
König Car lX I I . von Schweden L. durch Sturm, und seitdem sind
die Festungswerke dieser Stadt nicht mehr in vollkommenen Vertheidi-
gungsstand gesetzt wurden, ja die alten Stadtmauern mußten noch un-
ter der Regierung Joseph's I I . niedrigen Erdwallen Platz machen, die
mit Bäumen bepflanzt wurden. Seit der Revindication Galiziens hat
überhaupt L. an Verschönerung und Bequemlichkeit mächtig gewonnen.
Die Cholera hat L. 1831 sehr mitgenommen. —'Topographie. L.
liegt in einem engen von Südost nach Nordwest sich ziehenden Kessel, der
sich um einen aufgeschwemmten Sandhügel herumwindet und dort
allmählig in eine Ebene erweitert, an dem Bache Peltew, der im
Sommer oft vertrocknet. Die eigentliche innere Stadt ist von geringem
Umfange; an sie schließen sich 4 Vorstädte an. Sie zahlt im Ganzen
2,479 Hauser mit 50,000 Einwohnern. L. hat14kathol. Kirchen, wor-
unter 9 Pfarren, eine armenische und eine griechische Domkirche, ein
evangelisches Bethhaus und 2 Synagogen, nebst 4 lateinischen Manns-
und 3 Frauenklöstern, einem armenischen Frauenkloster und einem grie-
chisch-kathol. Mannskloster. Sehenswerth sind die kathol. Domkirche und
die Dominicanerkirche in der Stadt; Letztere ist eine Nachbildung der
Carlskirche in Wien. Von weltlichen Gebäuden sind zu erwähnen: Das
vormahlige Iesuitencollegium (jetzt Dicasterialgebaude), die Residenz
des armenischen Erzbischofs, die große Caserne in derZolkiewerVorstadt,
das allgemeine Krankenhaus, das Wohngebäude des General-Gouver-
neurs :c. Auf dem Sandberge sieht man noch bie Trümmer der alten Lö-
wenburg. L. ist der Sitz des Ouberniums und des Kreisamtes für den
Lemberger Kreis, des galiz. Appellations- und Criminalobergerichtes, des
Militär-Generalcommandos, eines Landrechtes, eines Magistrats, zugleich
Mercantil-und Wechselgerichtes:c., dreyer Erzbischöfe, eines evangel.
Superintendenten und des Oberlandrabbiners; es hat eine Universität
mit öffentlicher Bibliothek und einem kleinen Naturaliencabinete, eine
ständische Akademie, einen ständischen Musterhof der Landwirthschaft,
ein lateinisches und ein griechisch-kathol. Seminar, 2 Gymnasien, eine
Realschule, eine Normalhauptschule, 2 Hauptschulen, eine evangelische
Schule, eine Mädchenschule bey den Benedictinernonnen, 5 Trivialschu-
len, ein Militär-Knaben-Erziehungshaus und eine militär. Schwimm-
schule. In dem 1744 errichteten Kloster der barmherzigen Schwestern
befindet sich außer einer Waisenschule noch ein Krankenspital. Überdieß
besteht in L. ein allgemeines Krankenhaus, ein jüdisches Krankenhaus,
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie