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402 Leopoldll., röm.-deutscher Raiser.
30. Oct. der Nyswicker Friede zu Stande kam, worin der Kaiser und
das deutsche Reich allen Ansprüchen auf S t raßburg und die übrigen
elsaßischen Reichsstädte entsagten, aber dafür Brey sach, Freyburg,
Kehl und Phi l ippsburg wiedererhielten. Aber auch jetzt war der
Friede nur von kurzer Dauer, der Tod Carl's I I . von Spanien und
Ludwig XIV. Ränke, der durch ein unterschobenes Testament seinem
Enkel, Ph i l i pp von An jou , die Krone von Spanien zu verschaffen
gewußt hatte, nöthigten L. von Neuem zur Ergreifung der Waffen
1701. Die„Siege des Prinzen Eugen vonSavoyen in Italien und die
wachsende Übermacht Frankreichs verschafften bald Bundesgenossen und
gaben dem Kriege eine vierzehnjährige Dauer, dessen Ende aber L. nicht
erlebte. Denn er starb schon den 5. May 1705. Als Kaiser folgte ihm
sein ältester Sohn, Joseph I . , der schon früher römischer König ge-
worden war. L. gebührt das Verdienst, für Künste und besonders für
Wissenschaften und Literatur sehrVieles geleistet zuhaben, wovon unter
Anderem seine wahrhaft kaiserl. Bereicherung der Wiener Hofbibliothek
sprechendes Zeugniß gibt (s. Lambecius).
Leopold I I - , römisch-deutscher Kaiser, König von Ungarn und
Böhmen :c. Aus der Ehe des Kaisers Franz I. und der Kaiserinn
Ma^ia T h e r e s i a entsprossen, war er am 5. May 1747 zu
Wien geboren. Frühe schon äußerte er einen tiefforschenden, scharf-
sinnigen Geist. Das Natur, Staats- und Kirchenrecht reizte besonders
seine Wißbegierde, und der Erfolg hat gezeigt, daß diese Wissenschaf-
ten von ihm gründlich studirt worden sind. Sein Umgang waren die
gelehrtesten Männer; bedächtlich nutzte er ihren vorzüglichen Unter-
richt, und merkte auf ihre Lehren. — Kaiser Franz I. hatte in
seinem letzten Willen festgesetzt, daß das Grosiherzogthum Toscana,
als sein eigenthümliches Erbland, von den Landern seiner Gemahlinn
getrennt, und seinem zweyten Sohne Leopold zur Errichtung eines
neuen großherzoglichen Hauses übergeben werden sollte. Diescr über-
nahm daher den 18. August 1765, nach seines Vaters Tode die Regie-
rung von Toscana, nachdem er zuvor mit Mar ia Ludovica,
einer Tochter König Carl's I I I . von Spanien, durch Procuration zu
Mad r i d am 16. Februar 1764, dann zu Innsbruck am 5. Au-
gust 1765 sich vermählte. — Toscana hatte bald Ursache, L. als
seinen Vater zu verehren, und die Augen von ganz Europa lenkten sich
auf die neue, vortreffliche Gestalt, die er diesem Lande gab. Anerkcn-
n'Mg der Rechte des Bürgers und der Pflichten des Regenten nach Maß-
gabe der strengsten Forderungen der Gerechtigkeit, eine sich durchaus
deutlich zeigende Liebe für bürgerliche Freyheit der Handlungen und des
Eigenthums; Herstellung der möglichsten Einfachheit der Staätsge-
sckäfte, sowohl in Ansehung der Abgaben, als der Verwaltung der Ju-
stiz und Polizey; weise Nationalbildung durch gereinigten zweckmäßigen
Schulunterricht, durch Ermunterung der Industrie, durcb Fürstenbey-
spiel und durch Reinigung der Kirchendisciplin von Aberglauben und
Unordnungen; dieß war die Basis der neuen Schöpfung, die L. hervor-
brachte. Eine seiner ersten Bemühungen war, das toscanische Gebieth,
welches in einigen Gegenden eine ungesunde Luft hatte, und wenig bevöl-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie