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Leopold I I , rüm.-deutscher Raiser.
kertwar, durchaus bewohnbar zu machen, und den Anbau dieses sonst
so gesegneten Landes in allen Gegenden in den vollkommensten Stand zu
bringen. Zum Besten des Ackerbaues gab er den Kornhandel frey, un-
geachtet die bisherigen Einschränkungen desselben eine beträchtliche Sum-
me in den öffentlichen Schütz einbrachten. Um dem Seidenbau größern
Fortgang zu verschaffen, erlaubte er den freyen Handel mit Seiden-
waaren. Auch Bergbau und Viehzucht fanden an L. einen großen Be-
förderer. Um die gesammte Landwirthschaft durch neue Entdeckungen,
Preisaustheilungen und andere Anstalten zu unterstützen, errichtete er
zu Florenz die Academia (^eophilorum, die sich mit dem Ackerbaue,
der Haushaltung und Oartnerey beschäftigte. Um dem Ackerbaue und
den Manufacturen mehr Arbeiter zu geben, schränkte er sein Militär
bloß auf zwey Bataillons ein, und errichtete eine eigene Gerichtsstelle,
welche die Aufsicht über den Handel, die Künste, Fabriken und Manu-
facturen hatte. Um die Gemeinschaft mit der Lombardie zu erleichtern,
ließ er eine eigene Straße von Pistoja nach Modena anlegen, wel-
che unmittelbar über die Apenninen und eine Menge Flüsse und Stroms
geht. — Die Künste und Wissenschaften, die unter den Mediceern so
sehr begünstigt waren, wurden es nicht minder unter L., ob ihn gleich
in den ersten Jahren seiner Regierung die wichtigsten ^taatsgeschafte
davon abhielten. Um das Studium der Physik zu erleichtern, legte er
ein vortreffliches Cabinet der Naturseltenheiten an , und die Biblio-
theken vermehrte er ansehnlich und begünstigte ihren allgemeinen Ge-
brauch. Eines der Hauptaugenmerke L.'s war die Förderung aufge-
klärter Religionskenntnisse, und in dieser Gesinnung stiftete er 1733 zu
Prato die Academia ecclesiastica Leopoldi, in welcher junge Geist-
liche gebildet wurden. Erhob Klöster auf, schränkte Prozessionen ein,
und gab jeder Art abergläubischer Andächteley muthigen Widerstand. —
Die letzten Jahre seiner toscanischen Regierung waren vornehmlich der
Vereinfachung der bürgerlichen Gesetze und der Milderung der peinlichen
gewidmet. Die Tortur und die Confiscation der Güter von Verbrechern
wurden aufgehoben, die Gerichtssvorteln vermindert, und überhaupt
strenge Gerechtigkeit in die Tribunale eingeführt. Immer hatte L. seine
hohe Regentenwürde als ein Amt angesehen, und krtznte die schöne
Neihe von 25 vreiswürdigen Regierungsjahren durch ein edles Beneh-
men. Er legte öffentlich von seiner Haushaltung in einer vortrefflichen
Schrift Rechenschaft ab, als ihn der Tod seines kaiserlichen Bruders
Joseph I I . 179l) auf den deutschen Kaiserthron rief. — In großer
Verwirrung befand sich der unermeßliche Staatskörper, für den er jetzt
zu sorgen hatte. Es konnte hier nicht sogleich die Rede von hausväterli-
cher Güte und Weisheit seyn, mit welcher er Toscana, wie eine zahl-
reiche Familie regierte; erst mußten Kriege geendet, Aufruhr gestillt,
empörte Gemüther besänftigt werden. Mitten unter den Ceremonien,
Huldigungen und Krönungen, schloß er mit einer unter Fürsten un-
gewöhnlichen Entsagung Frieden mit der ottomanischen Pforte, die
Joseph's Ehrgeiz gereizt hatte, versöhnte sich mit dem langen
Gegner seines Hauses, dem preußischen Monarchen, schuf ihn zu seinem
Freund um, besänftigte die Niederländer, und suchte bey der gewalc-
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Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie