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Österreichische National-Enzyklopädie - Buchstabe I-M, Band 3
Seite - 404 -
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Leopold Wi lhe lm, Erzherzog zu Oesterreich. famen Erschütterung Frankreichs, Ordnung und Ruhe in allen euro- päischen Staaten zu erhalten. Vieles, was Joseph's rascher Geist frühzeitig zerstört hatte, baute er wieder auf, um den Forderungen des Zeitgeistes mit kluger Mäßigung nachzugeben. Was er auf einem ihm ganz fremden Posten, in einem von seinem bisherigen so verschiedenen Wirkungskreise, in einer so bedenklichen Lage in 2 Jahren leistete, war gewiß viel, und der Bewunderung werth. Leider lieh er aber in der letzten Epoche seines Lebens sein Ohr Leuten, die ihn irre führten, und seine Seele mit unnöthiger Furcht und Mißtrauen wegen eines um sich greifenden Iacobinismus erfüllten. Die Schritte, wozu ihn dieser Argwohn verleitete, verminderten das Zutrauen seiner Unterthanen. Sein Tod erfolgte am 1. März 1792 ganz unvermuthet. Leopold Wi lhe lm, Erzherzog zu Österreich, Bischof zu Pas- sau, S t r a ß b ü r g , Olmütz und B res lau , Hoch- und Deutsch- meister, kaiserl. Generalissimus, geboren 1614; zweyter Sohn Kaiser Ferdi i i and's I I . — Mit unverkennbaren militar. Talenten und gleichem Heldenmuthe ist dieser Prinz der Spielball des Kriegsglückes einen gro- ßen Theil seines thatenvollen Lebens hindurch gewesen. Wenige Feld- herren haben so oft geschlagen, so oft gewonnen und so oft verloren, wie er. Als e?n nachgeborner Prinz der Kirche gewidmet, mag er durch seinen Beruf den Waffen fremd geworden seyn; aber der Geist der Zei- ten, in denen es nichts Seltenes war, die großen Prälaten im Felde zu sehen, und besonders Haus- und Staatsverhältnisse gaben Anlaß, daß ihm (1639) der Oberbefehl über die Armee in den letzteren Jahren des 30jährigen Krieges übertragen wurde, als es sehr bedenklich war, den- selben zu übernehmen. Unter ihm wurden Chlu m ez, Königgratz, Smi rz i tz , Kön igsho f , Trauten au u. a. von den Schwe- den besetzte böhm. Orter wieder eingenommen, und diese, ungeachtet sie sich in Thüringen mit französischen, hessischen und lüneburgischen Trup- pen verstärkt hatten, nach Ober- und Niedersachsen bis an die Weser zurückgedrückt. Als sich nachl er (1641) der Feind nach Regensburg gezogen, und durch die Oberpfalz seine Winterquartiere ausgebreitet hatte; verfolgte ihn L. auchtahin, und wußte znischen Ingolstadt und Regensburg auf der andcrn Seite der Donau seine Truppen so unbemerkt'zu sammeln, und einen sonst so wachsamen Gegner, wie Banner war, mit einer soläen Blitzesschnelle zu überfallen, daß dieser über Cham und durch den Böhmerwald mit Gefahr, seine ganz ge- schwächte Armee zu Grunde gerichtet zu sehen, in einem beschwerlichen und gewagten Nückzuge kaum die Lausitz erreichen konnte; wobey noch Erich S lange mit 3 Cavallerie-Regimentern sich unbedingt ergebe« mußte. In demselben Jahre wurde nebst mehreren anderen Plätzen auch Einbeck in Niedersachsen erobert. Im folgenden Feldzuge (16-43) die Kaiserlichen das Feld verloren, nachdem anfangs der linke Flügel der Schweden schon gewichen war. L. hatte sich jeder Gefahr ausgesetzt; aber weder sein Beyspiel, noch Bitten, Ermahnungen und Drohungen
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Österreichische National-Enzyklopädie Buchstabe I-M, Band 3
Titel
Österreichische National-Enzyklopädie
Untertitel
Buchstabe I-M
Band
3
Autoren
Franz Gräffer
Johann Czikann
Verlag
H. Strauß
Ort
Wien
Datum
1835
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.3 x 22.0 cm
Seiten
768
Schlagwörter
Nachschlagewerk, Biografien
Kategorien
Lexika National-Enzyklopädie
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