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Leopold der Erlauchte, Markgraf von Oesterreich. 405
vermochten die Flüchtigen zum Stehen zu bringen; und die Strenge,
mit welcher der Ungehorsam nachmahls geahndet worden ist, mag be-
weisen, wie viel Ursache ein großer Theil der Mannschaft dem Feldherrn
gegeben haben müsse, mit ihr unzufrieden zu seyn. — Damahls verließ
L. die Armee, zu der er jedoch, da sie in kurzer Zeit ihre besten Anfüh-
rer verlor (1645), wieder zurückkehrte. Er entsetzte B r u n n , und zog
sich nach Franken, wo er die Franzosen nöthigte, die dort eingenomme-
nen Platze wieder zu verlassen. —Jetzt berief ihn Konig Ph i l ipp IV.
von Spanien zur Statthalterschaft über die Niederlande. Die Unter-
nehmungen, die L. hier mit immer abwechselndem Kriegsglück (1646—
55) ausführte, liegen zwar außer den Gränzen der österr. Kriegsge-
schichte; aber sie müssen doch hier erwähnt werden, da sie mit den all-
gemeinen deutschen Angelegenheiten in nahem Verhältnisse stehen. —Er
nahm den Franzosen (1647) Arm entieres, Lens, Lanorecy und
Cortryk ab; verlor aber I pern, und nach dem unglücklichen Treffen
bey Lens (1643) noch mehrere Platze. Doch M pern eroberte er später-
hin wieder zurück nebst la Chapel le und St . Vena n t, während der
innerlichen Unruhen in Frankreich, wo ihm die mißvergnügte Partey
Stenay, Guise und Ch astetet einräumte; er drang in die Cham-
pagne ein, und brachte Rhe te l , Mousson, Winorbergen,
Mondyk, G ravel in gen, Dünkirchen und Ro croy (1650—
53) zur Übergabe; aber die Belagerung von Ar ras (1654) mußte mit
großem Verlust aufgehoben werden. Als L. seine meisten Eroberungen
wieder verloren sah, legte er die Statthalterschaft nieder, um nach
Wien zurückzukehren, wo die Familienangelegenheiten des kaiserl.
Hofes, die Sorge für den deutschen Orden und die Bisthümer, welche
er zu verwalten hatte, ihn nützlicher beschäftigten. — Nach dem Tode
Ferdinand's I I I . brachten einige Churfürsten diesen Prinzen in.Vor-
schlag zur Kaiserwürde, die er anzunehmen nicht ungeneigt schien; wie-
wohl er in der That nur die Absicht haben konnte, die Wahl so lange
aufzuhalten, bis sein Neffe zu den in der goldenen Bulle festgesetzten
Jahren gelangt seyn würde. Seine Hoffnung und seine Bemühungen
waren nicht vergebens gewesen. Kirche, Cabinet und Schlachtfeld
waren lange genug die Stätten seines Berufs; in seinen letzt?« Jahren
lebte er bloß der Kunst, bey der er in seinem kränkelnden Zustande Zer-
streuung suchte. Seine Gemäldesammlung, in die er großen Theils den
Vorrath des unglücklichen König Carl's I. von England angekauft
hatte, ist in die k. k. Bildergallerie übergegangen, und ein bleibendes
Ehrendenkmal für den Geschmack ihres ehemahligen Besitzers. Er starb
1662 zu S t raß bürg.
Leopold I. , der Erlauchte, erster Markgraf von Österreich,
ausdem Hause Babenberg, geboren den 10. Iuly 923, erhielt von
Kaiser Otto I I . die durch des österr. Markgrafen Burkhard's Tod
erledigte Mark Osterreich, 983. — L. war schon früher Graf von dem
bayerischen Donau- und Sundergau (zwischen derDonau und dem Inn)
gewesen, und kündete sich, gleich nach Übernahme der österr. Markgraf-
schaft 935 als Sieger gegen die Ungarn an, welche bis in die Gegend
von Passau vorgedrungen waren. Er belagerte den ungar. Herzog
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie