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Leopold I I . , der Tapfere. — Leopold IV., der seilige.
Geysa in der Bergfestung Melk , eroberte dieselbe, schlug daselbst
seine Residenz auf, und gründete ein Stift für 12 Chorherren. Durch
fortgesetzte glückliche Kämpfe erweitere er die Gränzen der ö'sterr. Mark
bis an den Kahlenberg und die Thaya. Hierauf hielr er zu Tu ln einen
Landtag (985), auf welchem dem Bischöfe von Passau der Zehent
nebst einigen Ortschaften und Gefallen überlassen, und Allen, welche
sich in der neuen Mark ansiedeln wollten, Freyheit von Steuern und
Kriegsdiensten versprochen, den Bischöfen und Adeligen aber die Er-
laubniß, Burgen, Städte und Markte zu errichten, ertheilt wurde.
Durch diese Anstalten wurde die Mark Osterreich bald so mächtig, daß
L.'s Nachfolger mit ihrer Macht allein im Stande waren, Deutschlands
Gränzen zu schützen, welche vorher die vereinigte Heeresmacht des gan«
zen Reiches nicht zu schützen vermögend war. L., der dieses bewirkt,
und dafür den Nahmen des Erlauchten erhalten hatte, verlor sein Leben
994 zu Würz bürg bey der Feyer des Kilianfestes durch einen Pfeil,
dernichrihm, sondern seinem Bruderssohne H ein rich von Schwein«
f ü r t , der einen würzburgischen Ritter hatte blenden lassen, be-
stimmt war. ^
Leopold I I . , der tapfere, oder der starke Ri t te r genannt,
der vierte Markgras von Osterreich aus dem Babenb e rg'schen Hause,
geboren 1022, Sohn des Markgrafen Albert I . , zeigte sich tapfer
gegen die Ungarn, und ward daher schon 1043 von Kaiser Hein-
rich I I I . zum Nachfolger seines Vaters designirt. Er starb aber noch
vor dessen Tode am 9. Dec. 1043 zu Inge lhe im. Sein Bruder
Ernst übernahm nach ihm die Regierung.
Leopold I I I . , d^r Schöne, aus dem Hause B abenberg,
sechster Markgraf von Osterreich, geboren 1050, folgte 1075 seinem
Vater Ernst demTapfern in der Regierung. Er war mit I da , der
Tochter Kaisers Heinrich I I I . vermahlt. Gegen Kaiser Hein-
rich IV. nahm er für Papst Gregor V I I , Partey, gerieth mit Erste»
rem 1078 in Krieg, ward besiegt und mit dem Kaiser versöhnt. Er trat
aber bald wieder auf die Seire Heinrich's von Luxemburg. Der
Kaiser erklärte ihn seines Martgrafthums für verlustig und verlieh dasselbe
Wrat is law von Böhmen, der es mit einem starken Heere eroberte
und L.bey Mai lberg 1032 schlug; doch gewann 1083Azzo von Go-
batöburg für L. das Land wieder, und dieser behauptete die Mark-
grafschaft bis zu seinem Tode, welcher den 12. Oct. 1096 zu Melk
erfolgte.
Leopold IV . , der seil ige, Markgraf in Osterreich, Sohn
und Nachfolger Leopold des Schönen, wurde zu Melk in Oster-
reich den 29. Sept. 1073 geboren, und zeigte von Kindheit an einen
sanften Geist, einen zu allen Wissenschaften fähigen und allen Geschäf-
ten gewachsenen Verstand. An der früheren Erweckung seiner frommen
Gefühle harte wohl seine andachtige Mutter Id a, eine Tochter des
Kaisers Heinrich I I I . den meisten Antheil. Er liebte die Stille und
Einsamkeit, mitten unter den Zerstreuungen des Hoflebens, suchte
durch Abbruch in Speise und Trank Herr seiner Leidenschaften zu wer-
den, verwendete seine Einkünfte zum Trost der Armen, suchte den Um-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie