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L. e o p o l d s b e r g. 415
Hieher die markgräfliche Residenz, welche bis dahin in Melk gewesen
!var; hier feyerte er sein Beylager mit der geliebten Agnes; von hier
aus erfolgte die Stiftung Klosterneuburg's. Hier starb auch dieser
Fürst 1136, nachdem er schon 1117 das Schloß mit neuen Festungs-
werken hatte versehen lassen. Obschon unter seinem Sohne Heinrich
Iasomirgott die Fürstenresidenz in die aufblühende Stadt Wien
verlegt wurde, daselbst blieb und fortan in dem Schlosse am L. nur ein
landesfürstlicher Castellan wohnte/ so wurde es doch noch einige Mahle
Aufenthalt von Gliedern der fürstlichen Familie. So wohnte hier 1230
Theodora, die Witwe Leopold's des Glorreichen. 1290
zog AlbrechtI . aus dem aufrührerischen Wien mit seiner Familie in
das Schloß auf dem L., von hier aus schnitt er der Stadt die Zufuhr
ab, hier demüthigten sich die Empörer, durch Mangel zu Paaren ge-
trieben, vor dem Throne des beleidigten Fürsten. Mit dem Baue des
alten Schlosses Laxen bürg durch Albrecht I I I . 1377 begann jedoch
der Verfall dieser Burg. Dieser Fürst ließ die prächtigen Marmorbild-
saulen, so wie das übrige Ameublement dieses Schlosses nach Laxen-
burg übertragen, und obgleich Herzog Albrecht V. (als Kaiser II.)
1431 das Schloß wieder erneuern und, vorzugsweise die Capelle des
heil. Georg's wieder herstellen ließ, so biethet doch fortan die Geschichte
dieses merkwürdigen Schlosses eine Reihe von Zerstörungen und Wieder-
aufbauungen dar. 1462 in dem Bruderkriege Friedrich's und Al-
brecht's zerstörten es die Wiener, 1468 ließ es Friedrich wiederher-
stellen, 1483 eroberte es Math ias Corv inus mit gewaffneter Hand
und es wurde sammt der Capelle abermahls zerstört. Neuerdings wieder
hergestellt, wurden Schloß und Capelle 1529 bey Annäherung des tür-
kischen Heeres durch landesfürstlichen Befehl, um dem vordringenden
Erbfeinde in dieser festen Burg keinen sichern Standpunct in der Nähe
der Residenzstadt zu gewähren, gesprengt und geschleift, und nun zeig-
ten sich durch 150 Jahre dem Blicke nur die verödeten Ruinen der B a-
benberg'schen Fürstenburg. 1679 that Kaiser Leopold I. bey der da-
mahls wüthenden Pestseuche das Gelübde zur Wiederherstellung der ver-
fallnen Capelle, welche jedoch, durch die 1633 neu eingetretene Türken-
noth, erst 1693 zu Stande kam. Seit dieser Zeit führt der Berg erst
den Nahmen Leopolds b erg. 1713 ließKaiser Carl V I . das Schloß
nach einem größern Plane und auch die noch gegenwärtig stehende große
Kirche erbauen, die 1730 vollendet wurde. 1734 ward die Kirche ent-
weiht und geschlossen; 1797 neuerdings geweiht, mit 3 Altären in neuem
Geschmack und neuen Bethstühlen geziert, jedoch gestatteten die Zeit-
umstände nichr lange die Eröffnung derselben. Bald darauf wurde die
Kirche abermahls geschlossen und cs wird kein Gottesdienst mehr in der-
selben gehalten. Wie derKahlenberg ist auch der L. jetzt nachHeili-
genstadt eingepfarrt. Außer der im einfachen und gefälligen Style
erbauten Kirche mit 2 kupfergedeckten Thürmen und dem wenig bewohnten
Schlosse befindet sich nur noch ein Stifrsgebaude mit einer Ausschank und
ein anderes, ehemahls dem Fürsten de Ligne gehöriges Gebäude,
welches von Innen äußerst geschmackvoll deconrt und eingerichter ist, auf
dem L. Besitzchum des Stiftes Klost.erneitburg seit 1784, ist der
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie