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Liechtenstein, das Geschlecht.
sein Bruder Johann, eine? der größten Sprachkundigen, und der
kühnste Reisende seiner Zeit, der von Finnland bis Portugal ganz
Europa, die Nordküste Afrika's und einen Theil Westasiens durchzogen
hatte, beyde fanden jedoch im Orient ihr frühzeitiges Grab. Obgenann«
ren Hartmann's 3 Sohne, Carl, Maximi l ian und Gundaccar,
stifteten eben so viele, nach ihren Nahmen genannte, Majorate, sie kehr-
ten auch wieder zum Glauben ihrer Vater zurück, von welchem die L.
nur in einer einzigen Generation gewichen, denn nur ihr Großvater,
Georg Hartmann, und ihr VaterH ar tm an n bekannten sich zur
Augsburgischen Confeffion. Maximi l ian focht in der Prager Schlacht
am weißen Berge muthvoll mit, er war es, der die Reiter Gabriel
Bethlen's zum Theil in die Moldau sprengte und des Pfalzgrafen
rechte Seite überflügelte. Durch Heyrath vermehrten die 3 Brüder das
L.'sche Erbe ansehnlich. Maximi l ian starb 1643 erblos und all' seine
Besitzung gedieh an die Linie Carl's. Dieser, des Freyherrn Hart-
mann's Erstgeborner, war 1606 Oberfeldherr Rudolph's I I . und
Freund des Kaisers Mathias, welchem er vorzüglich Mähren und die
böhmische Erbfolge erwirkte. Für seine großen, vorgeschossenen Summen
erhielt er das Herzogthum Troppau, erst pfand-, dann lehenweise, und
16M auch die Fürstenwürde, welche 1620 und 1623 auch auf seine
Brüder Maximi l ian und Gundaccar ausgedehnt wurde. Carl
wurde auch, nach rühmlicher Mitwirkung bey der Schlacht am weißen
Berge, Vorstand des Untersuchungs- und Strafgerichtes zu Prag. Kai-
ser Ferdinand I I . verlieh ihm nach der Ächtung des letzten Besitzers,
des Brandenburg'schen Markgrafen Johann, das Herzogthum Iägern-
dorf, so wie die Güter des flüchtig gewordenen Landhauptmannes und
Oberhauptes der mahrischen Empörer, Ladisla w's Welen vonZiero-
t in , der Konig von Spanien, Phi l ipp IV., schmückte ihn mit dem
goldenen Vließe. Carl's directe Nachkommenschaft erlosch 1712 mit sei-
nem Enkel HannsAdam, dem Erbauer der Wiener Vorstadt Liechren-
thal, dem Stifrer der herrlichen Gemäldesammlung in dem von ihm
gleichfalls erbauten Palaste in der Roßau. Die von ihm 1699 und 1703
erkauften Grafschaften Schellenberg und Vaduz, als Reichsland mit
Sitz und Stimme am schwäbischen Collegium, vermachte er seinem Vetter
Joseph Wenzel, welche dieser wieder gegen die Herrschaft Num-
burg an den Chef der Familie, Anton Flor ian vertauschte. Kaiser
Carl VI. erhob sie 1719 unter dem Nahmen Liechtenstein zum
Reichsfürstenthum. Des Fürsten I»>h. Adam's vierte Tochter There-
sia wurde 1713 dem Prinzen Thomas Emanuel von Savoyen
Carignan vermählt, einen Vetter des unsterblichen Eugen. Sie starb
l?72, von ihr sind die savoyische Ritterakademie, das adelige Damenstlft
und mehrere Stiftungen für wohlthätige Zwecke. — Gundaccar, der
dritte Sohn Hartman n's, diente unter Mathias, FerdinandII .
und I I I . mit vieler Auszeichnung, sowohl in der innern Verwaltung,
als auch in der Diplomatie; Anton Florian, dessen Enkel, war Both-
schafter in Rom und London, dann Carl's VI . treuer Begleiter
nach Spanien und wieder zurück. Sein Bruder, Phil ipp Er asmus,
einer der Helden des Entsatzes von Wien, fiel 1704 gegen die Franzo-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie