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Österreichische National-Enzyklopädie - Buchstabe I-M, Band 3
Seite - 434 -
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Seite - 434 - in Österreichische National-Enzyklopädie - Buchstabe I-M, Band 3

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43t Liechtenstein, Ioh. Fürst v. Thurn. — Ohne die Wachsamkeit und rasche Entschlossenheit L.'s wäre es wahrscheinlich vor Czettin noch ärger hergegangen, denn der von den Türken mit Wuth. unternommene Überfall, geschah nicht, wie bey Giurgewo, am hellen Tage, sondern in einer stürmischen Nacht. — Auf die erste Spur der feindlichen Nähe, warf sich der Fürst auf ein un- gesatteltes Pferd, stellte sich in Abwesenheit des Obersten an die Svitze seines Regiments, und warf sich mit demselben so ungestüm auf den Feind, daß derselbeinschmählicherUnordnungeinewildeFluchtergriss, und es nicht mehr wagte, dieBelagevun'g weiter zu stören. Bey Czettin's Erstürmung, 20. Iuly 1790, waren L. und Graf Gyulay (nachmahli- ger Feldzeugmeister) die ersten auf der Mauer. Dieser Tag gab L. das Kleinkreuz des Theresien-Ordens. Bald darauf wurde er auch Oberster. — Drey Feldzüge machte er im Türkenkriege mit, der vierte eröffnete sich ihm 1792 (in den Niederlanden); und es gab keinen großen Tag, welchem nicht auch L. beyzuzählen gewesen wäre, besonders merkwürdig aber war jener von Boucharn. — L. stand mit seinem Regiment, einer Division Nassau Cürassiere, einer Division Kaiser-Husaren und einer Cavallerie-Batterie ohne Fußvolk auf Vorposten von Bou- chain und Cambray. Der Feind nahte schnell, um diesen österrei- chischen Posten aufzuheben, mit 10,000 Mann Infanterie und 12 Ka- nonen. Mehr als 2,000 Pferde suchten L. in Flanke und Rücken zu umgehen. Mit der zermalmenden Schnelligkeit des Donnerkeils stürzte L., keinen Augenblick verlierend, zuerst auf die Reiterey, und sprengte sie aus einander. Von ihrer Niederlage umwendend, ließ er dem Fußvolk eben so wenig Zeit zur Besinnung. Es hatte sich auf der an- sehnlichen Ebene in ein großes dichtes Viereck zusammengezogen. Der Fürst, einer der tühnsien Neiter in der Welt, stürzte sich wieder, der erste in das Quarree hinein, und seine Reiter hieben dem geliebten Führer so tapfer nach .^ daß über 4,000 Leichname den Wahlplatz deck- ten, und der ganze Überrest mit allem Geschütz und Trophäen die Waf- fen streckte. — Der von ihm 1794 an der Spitze desselben Regiments auf ein Feindeslager bey Maubeuge ausgeführte Angriff, erregte in solchem Maße die Bewunderung seiner Waffengenossen, daß, wo er sich zeigte, die Scharen ihn mit jauchzendem Zuruf begrüßten, und der Monarch ihn zum Generalmajor erhob. — Noch ein Handstreich aus eben diesem Feldzuge verdient aufbewahrt zu werden. Der Fürst ritt als neuernannter Generalmajor mit einbrechender Dämmerung, von einer einzigen Ordonnanz begleitet, gegen den Feind zu, einiges in seiner Stellung naher zu erforschen. Nachdem er eine ziemliche Waldstrecke, gegen den Saum desselben durchgeritten, bemerkte er ein, in geringer Entfernung (wahrscheinlich zu irgend einem Nachtmarsch, im Gefolge einer bedeutenden Unternehmung) aufgestelltes feindliches Chasseur-Re- giment. Der Fürst war zum Glück in einem blauen, golddurchwirkten Mantel, dergleichen man damahls noch häufig trug, und die manche unglückliche Verwechslung veranlaßten. Er befahl der Ordonnanz, ihren weißen Mantel augenblicklich wegzuwerfen und hinter den Bäumen möglichst bedeckt, einige Schritte zurückzubleiben ; daraus, daß sein gar wohl bemerktes Erscheinen dem Feinde gar nicht auffiel, augenblicklich 5
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Österreichische National-Enzyklopädie Buchstabe I-M, Band 3
Titel
Österreichische National-Enzyklopädie
Untertitel
Buchstabe I-M
Band
3
Autoren
Franz Gräffer
Johann Czikann
Verlag
H. Strauß
Ort
Wien
Datum
1835
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.3 x 22.0 cm
Seiten
768
Schlagwörter
Nachschlagewerk, Biografien
Kategorien
Lexika National-Enzyklopädie
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