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43t Liechtenstein, Ioh. Fürst v.
Thurn. — Ohne die Wachsamkeit und rasche Entschlossenheit L.'s wäre
es wahrscheinlich vor Czettin noch ärger hergegangen, denn der von
den Türken mit Wuth. unternommene Überfall, geschah nicht, wie bey
Giurgewo, am hellen Tage, sondern in einer stürmischen Nacht. —
Auf die erste Spur der feindlichen Nähe, warf sich der Fürst auf ein un-
gesatteltes Pferd, stellte sich in Abwesenheit des Obersten an die Svitze
seines Regiments, und warf sich mit demselben so ungestüm auf den
Feind, daß derselbeinschmählicherUnordnungeinewildeFluchtergriss, und
es nicht mehr wagte, dieBelagevun'g weiter zu stören. Bey Czettin's
Erstürmung, 20. Iuly 1790, waren L. und Graf Gyulay (nachmahli-
ger Feldzeugmeister) die ersten auf der Mauer. Dieser Tag gab L. das
Kleinkreuz des Theresien-Ordens. Bald darauf wurde er auch Oberster.
— Drey Feldzüge machte er im Türkenkriege mit, der vierte eröffnete
sich ihm 1792 (in den Niederlanden); und es gab keinen großen Tag,
welchem nicht auch L. beyzuzählen gewesen wäre, besonders merkwürdig
aber war jener von Boucharn. — L. stand mit seinem Regiment,
einer Division Nassau Cürassiere, einer Division Kaiser-Husaren
und einer Cavallerie-Batterie ohne Fußvolk auf Vorposten von Bou-
chain und Cambray. Der Feind nahte schnell, um diesen österrei-
chischen Posten aufzuheben, mit 10,000 Mann Infanterie und 12 Ka-
nonen. Mehr als 2,000 Pferde suchten L. in Flanke und Rücken zu
umgehen. Mit der zermalmenden Schnelligkeit des Donnerkeils
stürzte L., keinen Augenblick verlierend, zuerst auf die Reiterey, und
sprengte sie aus einander. Von ihrer Niederlage umwendend, ließ er dem
Fußvolk eben so wenig Zeit zur Besinnung. Es hatte sich auf der an-
sehnlichen Ebene in ein großes dichtes Viereck zusammengezogen. Der
Fürst, einer der tühnsien Neiter in der Welt, stürzte sich wieder,
der erste in das Quarree hinein, und seine Reiter hieben dem geliebten
Führer so tapfer nach .^ daß über 4,000 Leichname den Wahlplatz deck-
ten, und der ganze Überrest mit allem Geschütz und Trophäen die Waf-
fen streckte. — Der von ihm 1794 an der Spitze desselben Regiments
auf ein Feindeslager bey Maubeuge ausgeführte Angriff, erregte in
solchem Maße die Bewunderung seiner Waffengenossen, daß, wo er
sich zeigte, die Scharen ihn mit jauchzendem Zuruf begrüßten, und der
Monarch ihn zum Generalmajor erhob. — Noch ein Handstreich aus
eben diesem Feldzuge verdient aufbewahrt zu werden. Der Fürst ritt als
neuernannter Generalmajor mit einbrechender Dämmerung, von einer
einzigen Ordonnanz begleitet, gegen den Feind zu, einiges in seiner
Stellung naher zu erforschen. Nachdem er eine ziemliche Waldstrecke,
gegen den Saum desselben durchgeritten, bemerkte er ein, in geringer
Entfernung (wahrscheinlich zu irgend einem Nachtmarsch, im Gefolge
einer bedeutenden Unternehmung) aufgestelltes feindliches Chasseur-Re-
giment. Der Fürst war zum Glück in einem blauen, golddurchwirkten
Mantel, dergleichen man damahls noch häufig trug, und die manche
unglückliche Verwechslung veranlaßten. Er befahl der Ordonnanz, ihren
weißen Mantel augenblicklich wegzuwerfen und hinter den Bäumen
möglichst bedeckt, einige Schritte zurückzubleiben ; daraus, daß sein gar
wohl bemerktes Erscheinen dem Feinde gar nicht auffiel, augenblicklich
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Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie