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Liechtenstein, Joh. Fürst v.
folgernd, er werde für einen französischen General gehalten. Eben so
rasch gefasit in der Wahl zwischen einem kecken Einfall und zwischen
unvermeidlicher Gefangenschaft, winkte und rief er mit ein paar
französischen Worten, den Obersten zu sich, der auch sogleich heran-
sprengte , mit gesenktem Degen grüßend. — Der Fürst entriß ihm
denselben vor den Augen seiner Truppe; „Sie sind mein Gefangener!"
ihm zurufend, ergriff er den Zügel auf der einen, die Ordonnanz auf
sein Geheiß, von der andern Seite, und rannten mit ihrem Gefange-
nen in solcher Sturmeshast davon, als wäre des Obersten Pferd durch
Zauberkunst mit ihnen im verrätherischen Bunde gegen seinen eigenen
Herrn gewesen. — In dem Feldzuge von 1796 schimmert des Fürsten
Nahme an den Tagen von Heidenheim, Forchheim, Bam-
berg, und vorzüglich von Würz bürg, wo er mit der leichten Ca-
vaNerieüberflügelte, und mit der schweren die feindlichen Klumpen durch-
brach, daß alle Bemühungen Bonneau's und Iou rdan 's , die
Erschrockenen wieder zum Stehen zubringen, fruchtlos blieben. Öffent-
lich umarmte den Fürsten der von ihm so sehr verehrte und geliebte Erz-
herzog Carl , und übersendete ihm in der Folge, durch seinen Vetter,
den tapfern Fürsten Mor i z , das Commandeurkreuz des Theresien-Or-
dens. — In dem kurzen aber mcht glücklichen Rheinfeldzuge von 1797
richtete L. ein ganzes feindliches Regiment leichter Pferde bey Rastadt
zu Grunde. — In dem Feldzuge von 1799 nahm sich der Fürst eines der
Herrlichsien Blätter aus den Lorbeern der zwey wichtigen Tage an der
Trebia, welche die Vereinigung Macdonald's mit dem Heere aus
Neapel, mit jenem von Italien unter Moreau vereitelten, und
dem Feinde über 20,000 Mann kosteten. Das Armeecorps des Feldmar-
schall-Lieutenants Ott war von feindlicher Übermacht hart gedrängt,
zum Theil in Unordnung, rückziehend durch das ungeheure, meist seichte
Flußbett der Trebia und ihre dichtverwachsenen Ufer, die Polen unter
Dombrowski verfolgten hitzig. Die Russen waren erst im Anmarsch,
und dasAufrollen derganzen Masse in einen verwirrten Knäuel schien un-
vermeidlich. In diesem Augenblicke gewahrte das Adlerauge des Fürsten
(der nur als Freywilliger mitfocht, und kurz zuvor angelangt, noch gar
nicht eingetheilt war), daß ein Theil der Geworfenen in des Feindes rechte
Flanke durch Weingärten den Zug nahm. Er wandelte diesen Zufall in
eine wirkliche Flankenbewegung, hielt dadurch die Verfolgung des Fein-
des auf, gewann Zeit, Suwarow kam an , und auf das Zeichen sei-
nes Kantschu, stürzten sich die Kosaken auch von vorne auf die Polen,
und die Franzosen wichen über die Trebia zurück. —Aber auch am andern
Morgen war das Gefecht von der blutigsten Hartnäckigkeit. Es ist bekannt,
wie in einem Augenblick, wo der Rückzug unausweichlich schien, Su -
warow unter einem Baum ein Grab ausgraben ließ, und sich hineinzu-
legendrohte, wenn seine Russen nicht alsogleich wieder umkehrten und
den Sieg an sich rissen. — L. hatte den Beginn der Schlacht so ruhmvoll
bezeichnet, er nahm sich auch vom Ende sein Theil. Nach bereits einge-
brochener Nacht wagte Macdonald noch einem Verzweifiungsan-
griff, indem seine ganze Reiterey in einem Klumpen vom rechtenTrebia-
ufer heransprengte, und große Infanteriemaffen ihr im vollen Laufe
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Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie