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Liechtenstein, Ioh. Fürst v. 437
Künstler, nicht blosi durch die Curiositätenjagd auf alte Gemälde. —
In der Veredlung der Viehzucht, des Gestüt-, Jagd- und vorzüglich
des Forstwesens, durch die Anpflanzung von Millionen schnellwachsen-
der, nordamerikanischer Forsthölzer, durch den Anbau der ergiebigsten
erotischen Getreidearten, durch die Verbreitung edler Obstgattungen im
Großen und Freyen, durch die Acclimatisirung rheinischer, französischer
und spanischer Reben, durch die Cultur von Fabrik- und Farbepflan-
zen :c. hat sich die L.'sche Landwirthschaft unläugbar auch für dieStaats-
wirthschaft verdient gemacht. — Die großen Bauten zu Eisgrub und
Feldsberg, zu Ko lod ieg , Laa , Lasdorf , Neuschloß,
Adamstha l , Hadersfeld> Schwarzko steletz , . Aurzin o-
wes und in Aussee so wie in der B rüh l , bey der Veste Liech te n-
stein nächst Modl ing sind theilweise unwiderlegliche Zeugen von Ge-
schmack. —- Sieben Monathe nach des Fürsten Regierungsantritt, ge-
schah das Unheil bey Ulm. Er lag auf dem Krankenbette zu Felds«
berg. Ein schmeichelhaftes Handschreiben des Kaisers machte ihn mit
der Gefahr des Vaterlandes und der Kaiserstadt bekannt, und übergab
ihm den Befehl über einen aus Trümmern und den 6 Bataillons erst zu
schaffenden Heerhaufen. Der Fürst erhob sich vom Krankenlager. Wie
er jenes Häuflein ermuthigt, wie er damit beyAusterlitz(2. Dec. 1305)
gefochten, daß er in der nahmenlosen Verwirrung den Rückzug gedeckt, Hut
und Kleider von Kugeln durchlöchert, mehrere Pferde unrer ihm getödter
oder verwunder wurden, ist bekannt. — Er erhielt in der Nacht darauf
einen Waffenstillstand und unterzeichnete am 26. Dec. 1805 mit Tal-
leyrand den Preßburger Frieden. — 1306 wurde er commandirender
General ob und unter der Enns und Commandant von Wien. —Der
Einzige aller kleinen Reichsfürsten wurde er nicht mediatisirt, sondern
dem rheinischen Bunde zugezählt, ohne sein Zuthun, ja ohne sein
Vorwissen, so wie er auch, als Napoleon (der unverhohlen eine
hohe Achtung für seine Kriegestugend aussprach), neben andern Ver-
heißungen, im Laufe der Unterhandlungen, auch jene vertragsmäßige
und vollkommen liquide Forderung von mehr als einer Million Gulden
sch-uerer Münze auf Ost-Friesland, zur Sprache bringen ließ, ohne
weilers davon abbrach, ohne ihr früher oder später , die mindeste
Folge zu geben. — In den großartigen Vorbereitungen zu dem unser-
geßlichen, ächt nationalen Kampfe von 1809, ist des Fürsten Thätigkeit
an seiner Stelle bekannt. — Das rheinische Bundesfürstenthum Liech-
tenstein ging auf den dritten Sohn hinüber; dem Fürsten ward das
Grenadier - und Cavallerie - Reservecorps anvertraut.. Ihm ergab
sich (20. April 1309), Regensburg. Dadurch ward die Verbindung
mit dem kleinen Heere Bellegarde's und Ko low rar's, jenseits der
Donau, in einem Augenblick hergestellt, als Österreichs Hauptmacht
bey Hausen, Rohr und Landshut durchschnitten, in der linken
Flanke und im Rücken bedroht, in einzolnen Gefechten versplittert,
immer mehr mit dem Rücken an die Donau gedrangt, seine Hauptver-
bindung, Subsistenz und jede Operationsbasis gefährdet war. — Bey
dem bedenklichen Übergang auf das linke Donauufer (23. April) hielr
vorzüglich der Fürst den Muth der österreichischen Reiterey aufrecht, und
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie