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Liechtenstein, des reg. Fürsten Joh., Gemäldegallerie. l39
cunabeln und die vorzüglichsten Encyklopädien über alle Zweige des
menschlichen Wissens befinden. Vorzüglich reich ausgestattet sind die Fä-
cher der Philologie mit Inbegriff der Classiker; der Geschichte, mit
allen ihren Hülfswissenschaften; der Kriegskunst und der bildenden Kün-
ste. Hier sind auch die meisten sogenannten Museen, z.B. das Museum
Fiorentinum , pio - Clsmentinum u. m. a. vorhanden. Unter den Sel-
tenheiten , welche diese Bibliothek besitzt, zeichnet sich ein unter der
Leitung des berühmten Anatomen und Physiologen B a r t h , von
Beer in Miniatur gemaltes Werk vorzüglich aus, welches beynahe die
ganze Anatomie enthält. Sonst sind auch große und kleine Pracht-
ausgaben von Didot , Bodoni und andern berühmten Buchdruckern,
Prachtwerke zur Naturgeschichte, besonders zur Botanik in bedeutender
Anzahl hier und werden noch stets vermehrt.
Liechtenstein, des regierenden Fürsten Ioh . , Gemälde-
gallerie. Diese herrliche Bildersammlung, die erste Wien's nach der
kaiserlichen, an Anzahl, wie an innerm Werth, befindet sich in dem
fürstl. Gartenpalaste in der Roßau und enthalt in 23 Zimmern über
1100 Gemälde. Merkwürdig ist schon der Aufgang, auf einer prachtvollen
marmornen Treppe, unstreitig die schönste in W ien , für welche allein
der röm.-deutsche Kaiser Franz I. 70,000 Gulden gebothen haben soll.
Der große Eintrittssaal, ein 32 Fuß längliches Viereck bildend, ist durch
18 marmorne Säulen gestützt und mit Gemälden und einem Plafond,
die Apotheose des H erku les vorstellend, vonPozzo, so wie mit meh-
reren Statuen nach Antiken geziert. Gründer dieser Gemäldesammlung
war Fürst Adam von Liechtenstein (st. 1712), seine Nachfolger,
der berühmte Wenzel Fürst von L., so wie Franz und Aloys und
der gegenwartig regierende Fürst Johann vermehrten sie beträcht-
lich. Die Gemälde sind folgender Weise eingetheilt: Im 1. Stockwerke,
wovon 3 Zimmer Gemälde aus der italienischen und 4 aus der niederlän-
dischen Schule enthalten', sind von ersterer besonders mit AuszeichnM^
zu nennen: Venus von Corregg io , Geburt Christi, St.
mus, Charitas und Magdalena von Guido R e n i , Bethsabe von
Carlo M a r a t t i , dann mehrere vortreffliche Stücke von Frances-
chini , Caravaggio, Andrea del Sar to , Guercino, Car lo
Dolceu.A. Die Plafonds des ersten Zimmers sind von Frances-
chini, die der beyden andern von Be lucc i . Die Niederländer Schule
enthält: Die Geschichte des Decius in 6 Gemälden von Rubens; unter
vielen Gemälden von Vandyk besonders auszeichnenswerth eine Grab-
legung Christi, Porträt der Prinzessinn Taxis und Wal len st ei n's,
die Himmelfahrt von Rubens, die Portrats dessen Söhne, von ihm
selbst gemalt, viele Gemälde von Berghem von besonderer Schön-
heit :c. Die Plafonds dieser Zimmer sind ebenfalls von Franceschini
und Belucc i . Im 2. Stockwerke enthalten 7 Zimmer Gemälde aus
der italienischen, 9 Zimmer Gemälde aus der niederländischen, alt-
und neudeutschen Schule. Von ersterer ist vorzüglich erwähnenswerth:
Kreuztragung von Bassano, Johannes von Giug l io Roma-
no, dann mehrere Stücke von Andrea del S a r t o , Tintoret-
to, Parmegian ino (vortrefflich dessen Lautenspielerinn), T iz ian,
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Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie