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Liechtenstein, Wenzel Fürst v.
Albani , Gu idoRen i (dessen herrlicher David), Fur in i , Domini-
chino, Tempesta, Leonard da V i n c i , B ronz ino ; dann
M u r i l l o und Poussin, auch einRaphael. Dieniederländ.Schule
enthalt vorzügliche Stücke von Wouwe r man S,Berghem, Ostade,
Schalken, Swaneveldr, Teniers, van der Ve lde, van
derNeer , Rembrandt, Ho l len- , Sammt- und Pauern-
Breughe l , Har tem, Weenix, Snayers , Huysum, Wy.
nants. Die alt- und neudeutsche Schule enthält mehrere Gemälde von
L. Cranach, Holbein, Sandrar t , Rottenh ammer, Unter-
berger, den herrlichen Ossian von Kra f f t , Fortuna von Lampi
dem Jüngern; dann auch Gemälde von Füg er, Rebell u. A. m. Die
sämmtlichen Deckengemälde des 2. Stockwerkes sind von Belucci. Nebst
den Gemälden sind noch 353 Stücke aus dem Fache der Bildhauerkunst
vorhanden, und in verschiedenen Zimmern vertheilt; sie bestehen aus
Scatuen, Gruppen, Vasen :c. aus Marmor, Alabaster und Bronze,
worunter besonders ein Pokal, den Raub der Sabinerinnen vorstellend,
merkwürdig ist; er wurde 1670 von Rauchmüller aus einemStücke
Elfenbein geschnitten. Ferner Modelle von I. Bo logna. Bey schönem
Wetter zur Sommerszeit kann diese Oallerie täglich besehen werden,
man hat sich deßhalb an den Custos zu wenden. Die fürstl. L.'sche Ku-
pferstichsammlung verdankt dem Fürsten Franz ihr Entstehen durch
Ankauf der berühmten freyherrl. Gundel'schen Sammlung, sie wurde
seitdem sehr erweitert und wird durch neuen Ankauf stets vermehrt. Sie
befindet sich im fürstl. Palaste in der Herrengasse. Kennern und Stan-
despersonen wird ihre Ansicht gerne gestattet.
Liechtenstein, tvenzel Fürst v., geh. Rath, Ritter des golde-
nen Vließes, Großkreuz des königl. ungar. St. Stephan - Ordens, Inha-
ber eines Dragoner-Regiments, Feldmarschall und General-Artillerie-
Director, geboren zu Pragam lO.Aug. 1696. Unter derVormundschaft
deMürsten Walther vonDietrichstein und des Grafen Maximi l .
vDMKaunitz vollendete er schon 1713 seine Studien in P rag , und
trat dann 1715 in das Dragoner-Regiment Wehten als Lieutenant. L.
that seine ersten Kriegsdienste unter den Augen des ewig denkwürdigen
Helden Eugen. Seine Verdienste hoben ihn in kurzer Zeit zur Stelle
eines Oberstlieutenants. Er zeichnete sich vorzüglich in der heißen Schlacht
bey Belgrad (am 16. Aug. 1707) aus. Das Handgemenge, in das
ihn sein Feuer riß, machte, daß el ganz von Feinden umringt war. Ein
Tartar führte schon den Hieb, ihm den Kopf zu spalten; wenn nicht L.
seinen Gegner durch einen Carabinerschuß vom Pferde gestürzt, und sich
mit dem Säbel den Weg aus dem Gedränge gebahnt hatte, so wäre seine
Heldenbahn geschloffen gewesen. — Das Studium oerKriegskunst beschäf-
tigte ihn ausschließlich, nach dem Passarowitzer Frieden bis 1725, wo er
ein Dragoner-Regiment erhielt, mit welchem er 1730nach Italien beor-
dert wurde, wo der Krieg zwischen den Höfen von Wien und Madr id
auszubrechen drohte, aber nicht ausbrach. Der polnischeWahlkrieg(1734), in
dem Ofterreich und Rußland die Krone dem Sohne des verblichenen Königs
August I I . dem Churfürsten von Sachsen erhalten, Frankreich dieselbe
dem Schwiegervater Ludwig's XV. , Sranislaus Leczinski (der
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie