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Liechtenstein, Wenzel Fürst v. 4N
sie durch Carl's XII . Siege lange wider August behauptet, bey Pul-
tawa aber verloren hatte), zum zweyten Mahle zuwenden wollte, beför-
derte 3. zum Generalmajor. Er diente am Rhein unter Eugen, bis
Carl VI. endlich durch den Wiener Frieden (am 3. Oct. 1735) diesem
Kriege ein Ende machte. — L., stets bereit, seinem Fürsten und Vater-
land zu nützen, wo und wie er konnte, übernahm nun eine außerordent<
licke Sendung nach Ber l in , um den rauhen alten König Friedrich
Wilhelm I. bey seinen guten Gesinnungen gegen Osterreich zu erhalten,
den bart unterdrückten, unternehmenden Kronprinzen aber zu gewinnen.
— Mit dem goldenen Vließe geschmückt, hielt L. mit ungeheurer Pracht
seinen Einzug in Paris (am 2. Dec. 1737), wohin er nach Wiederher-
stellung der freundschaftlichen Verhaltnisse zwischen denCabineten vonWien
undVersailles abgeordnetwurde. Auf derRuckreise überBrüssel nach
Wien, traf ihn die Nachricht von dem (am 20. Dec. 1740) erfolgten Tode
Carl's VI . , der den Mannsstamm der Habsburger beschließend, seine
weiten Reiche seiner großen Tochter Mar ia Theresia hinterließ, mit
dem größten Rechte, aber geringer Macht sie zu behaupten. — Fried-
rich I I . gab die Losung zum österr. Erbfolgekrieg.— L. machte den er-
sten Feldzug (1741) als Feldmarschall-Lieutenant in der Armee des Ge-
mahls seiner Königinn, des Großherzogs Franz von Toscana mit, und
befand sich beym linken Flügel, der gegen B u dweis ziehend, die Ge-
meinschaft mir dem Heere in Bayern, und die Sicherheit des südwestli-
chen Böhmens erhallten sollte, und vom Prinzen Carl von Lothringen
commandirt wurde. — Am 17. May 1742 erfolgte die Schlacht zwischen
Czaslau und Chotulitz, in welcher der König seine Reiterey, und
Prinz Carl den Sieg verlor. L. führte in diesem Treffen die Cavallerie
des rechten Flügels, welcher die Reiterey des linken Flügels der Preußen
warf. Er wagte sich so tief in den Feind, daß man ihn für geraume Zeit
für todt oder gefangen hielt. Mir eigener Hand erlegte er viele Feinde,
unter andern auch einen Cürassier des Leibregiments, der ihn, wie der
Tartar vor Belgrad, einen Augenblick spater niedergehauen hatte, —
einer von den Riesen, welche der alte König Friedrich Wilhelm mit
ungeheuren Kosten in ganz Europa hatte zusammenwerben lassen. —
Nach dem Abschlüsse des Breskauer Friedens gerieth die österr. Artillerie
in sichtbaren Verfall, obschon man damahls in Europa den entscheidenden
Werth des Geschützes richtig würdigte. Furchtbar zeigte sich hierin zuerst
die Überlegenheit Gustav Adolph's. L. wurde General-Director der
Feld-und Hausartillerie. — In Breslau war, auf kurze Zeit, mit
Preußen Friede gemacht worden. Gegen die andern Machte dauerte der
Krieg fort; in Italien nicht glücklich. Da gedachte Mar ia Theresia
„ihres Freundes" (mit diesem Nahmen ehrte die Monarchinn L.), sie er-
nannte ihn zum Feldmarschall, und hieß ihn das Heer jenseits der Al<
pen unumschränkt befehligen. Kaum 1l),0N0 Mann zählte es noch, und
diese waren muthlos, unbekleidet, unbesoldet, darbend, ohne Liebe,
ohne Selbstverttanen. Alles, was ihm mangelte, gab ihm L. in wenig
Wochen, wie mit dem Schlag einerZauberrutde. Er kaufte die Bedürf-
nisse, er sorgte fär den Sold mit einer seitW a llen stein nicht erhörten
Freygebigkeit. Bald hatte er Liebe und Vertrauen Aller an seine Per-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie