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442 Liechtenstein, Wenzel Fürst v.
son, eben so bald wieder den Sieg an seine Fahnen gefesselt. — Imfol-
genden Feldzug (1746) brachten Graf B rowne und Bärenklau
Hülfe aus Deutschland, und vereinigten sich mit L. am Tanaro. Bey
Piacenza sammelte sich der Feind. Am 16. Iuny 1746 schlug L. die
Franzosen und Spanier unter Gag es und Mal leb ois bey Piacen-
za, mit einem Verluste von 6,000 Todten und Verwundeten, 7,500
Gefangenen, 10 Kanonen und 32 Fahnen, aufs Haupt. 80 seiner ge-
schicktesten Kanoniere, die 4 Stunden vor der Schlacht auf der Post aus
Böhmen angekommen waren, trugen nicht wenig zum glücklichen Er-
folge bey. Die Lombardie war mit einem Schlage wieder erobert, Pie-
mont befreyt. L. hatte diese Schlacht, wie Car l X I I . die vonPulta-
w a, wie die von Fontenoy der Marschall von Sachsen, im heftig-
sten Anfalle eines Fiebers geliefert. Nachdem sich L. in Colsrno erholt
hatte, ging er nach Wien zurück, und widmete sich wieder seinem Lieb-
lingsstudium, dem Artilleriewesen. — 1748 starb der regierende Fürst
I o h . C a r l , und L. erbte das Majorat und großen Reichthum.
Er schätzte diesen nur darum, weil er nun um so mehr im Stande war,
das aus Eigenem zur Vervollkommnung des Artilleriewesens beyzutragen,
was lange Kriege und erschöpfte Cassen dieMonarchinn zn verwenden hin-
derten. Das Corps ward vermehrt, aber die Ausgabe nicht; denn L. be-
stritt die Zulage. Wie er als Bothschafter in Be r l i n und Par is
schon über eine Million dem Dienste und seinem Posten aufgeopfert, so
verwendete er nun mchr als 2 Millionen Thaler zu diesem wichtigen
Endzweck. — Sein großer Wunsch war erfüllt. Die kaiserliche Artillerie
übertraf bald alle andere, und L. siegte abwesend durch seine Feuer-
schlünde bey Co l l in und Hochkirchen, sein Nahme erschallte lange
nach seinemTodeausdemKanonendonnervor Be lgrad , V alencien-
nes, vor M a n h e i m , Man tua und vor Con i , das in weni-
gen Tagen sein würdiger Neffe, der Fürst Johann bezwang. Bald
nachher reiste er über Spaa und Aachen zum Prinzen von Oranien,
der ihn in den Haag eingeladen hatte, um ihn sterben zu sehen; denn
kaum hatte sich ihre Freundschaft erneuert und gestärkt, so erkrankte der
Statthalter und verschied in den Armen L.'s, den die gewaltige Ge-
müthsbewegung erst in Ro t te rdam, dann in Antwerpen aufs
Krankenlager warf. Da zeigten die Brabanter ihre Verehrung und An-
hänglichkeit an 8.; sie stellten öffentliche feyerliche Andachten um seine
Genesung an, und nicht vergeblich. L. erholte sich, beschenkte die Ar-
men, ging nach Brüsse l , besichtigte die Artillerie in Luxemburg,
und kam 1752 wieder in Wien an. — An eben den Hof, den er als
Sieger von Piacenza geschreckt hatte, ward L. 1760 abgeordnet, die
Braut des Thronfolgers Joseph, M a r i a Isabel la von'Parma,
nach Wien abzuholen. Sein herrlicher Einzug in Wien mit der kö-
nigl. Braut ist noch heute nicht vergessen. Nun wollteMariaThere-
si a ihn durch eine seltene Auszeichnung ehren. Sie verlieh ihm und sei-
nenNachfolgern zu Liechtenstein das Ehrenwort Celzissimus. Sei-
ne Dankbarkeit grub L. in die 2 metallenen Denkmahle, die er in dem-
selben Jahre (1760) für Franz und Theresia im Zeughause zu
Wien aufstellte. Dagegen setzten die Fürsten ihm auch sein Brustbild
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie