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Liechtenstern, Jos. Marx Freyh. v.
vott'Metall in dasselbe Zeughaus, mit einer Inschrift, die das wohl-
verdiente Zeugniß enthielt, daß er gleich erfahren in den Künsten des
Krieges und Friedens, ein Muster der Vaterlandsliebe und der Wieder-
hersteller der Artillerie gewesen sey.— 1764 trat 3. wieder im Glänze
friedlicher Auftrage auf. Er ging als Principalcommissär zur römischen
Königswahl und Krönung Kaiser Joseph's nach Frankfurt ab.Hier
entfaltete er wieder die Herrlichkeit seines Hauses und die Hoheit seines
Gemüthes in dem Aufwands und der Art des Aufwandes. Er hatte den
Kaiser krönen helfen, nun wollte er auch eine seiner denkwürdigen Hand-
lungen verewigen, und setzte einen Stein auf seiner Herrschaft Posoritz,
da, wo Joseph mit eigener Herrscherhand den Pfiug geführt hatte, um
seine Achtung gegen den ältesten und unentbehrlichsten der Stände, den
Nahrstand zu zeigen. Aber jetzt nahte dieZeit, wo man ihm selbst Steine
setzen sollte. Gesundheit und Kräfte wichen. Arbeitend verschied er am
10. Febr. 1772 im 76. Jahre. — Theresia und Joseph ehrten das
Andenken des Unvergeßlichen noch durch Handschreiben und Gedächtniß-
münzen,- in jenen und diesen nannten sie ihn des Vaterlandes und ihren
Freund, und den Hersteller der Artillerie.
Liechtenstern, Joseph Marx Freyh. v., war geboren zu
Wien den 12. Febr. 1765. Hier durchlebte er auch größtentheils seine
Bildungsperiode, auf welche Männer wie Ko l la r , B o r n , der be-
rühmte Astronom He l l , Sonnenfels:c. nicht geringen Einfluß hat-
ten. Vorzüglich aber hatte L. seiner sehr wissenschaftlich gebildeten Mut-
ter viel zu danken, welche seine früh entstandene und bald vorherrschend
gewordene Neigung für die Wissenschaften überhaupt, besonders aber
für die Natur- und Größenlehre, Geschichte und Länderkunde weckte und
förderte; ihr verdankte er auch die, obgleich mäßigen Geldmittel, wel-
che seine folgende wissenschaftliche Laufbahn ebneten und ihn in den Stand
setzten, seiner Vorliebe für einige wissenschaftliche Zweige besonders fol-
gen zu können. Nach vollendetem Studium der juridischen Wissenschaft
und ihrer Hülfskenntniffe bereiste L. 1735 mit hinlänglicher wissenschaft-
licher Vorbereitung Böhmen und Mahren, und sammelte in beyden Pro-
vinzen viele, seine Wißbegierde zu befriedigen, geeignete Materialien
der verschiedensten Art. Das folgende Jahr reiste er mit gleichem Erfolge
nach Venedig. 1787 wurde er im Iustizfachs auf den fürstlich
Schwarzenberg'schen Herrschaften Murau und Frauenburg in
Steyermark angestellt. Hier bothen sich ihin die mannigfachsten Gelegen-
heiten, seine Kenntnisse in den verschiedensten Geschäftsfächern zu berei-
chern und sich höchst schätzbare Erfahrungen zu sammeln, die ihm in der
Folge die ersprießlichsten Dienste leisteten. 1790 erhielt L. eine Raths-
stelle bey dem Fürst-Erzbischofe von Sa lzburg , nachdem er demselben
bey dessen weit ausgedehnten Lehenwesen in Steyermark mehrmahls we-
sentliche Dienste geleistet hatte. Kaum war er jedoch zu Salzburg an-
gelangt, als er von dem Grafen Joseph Thun einen sehr vortheil-
haften Antrag erhielt, die Oberleitung dessen Gütergeschäfte in Böhmen
und Tyrol zu übernehmen; zu gleicher Zeit wurde ihm auch die Verwal-
tung der weitläufigen fürstl. Ba t thyan y'schen Gütergeschäfte in Nieder-
österreich, Steyermark, Kärnthen, Ungarn und Croatien mit unbe-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie