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Liechtenstcrn, Ios. Marx sreyh. v.
schrankter Vollmacht übertragen und so erstreckte sich L.'S Wirkungskreis
bald über 116 Q. Meilen mit 208,000 Einw., die 222 Städte, Markte
und große Dörfer bewohnten; so lernte er auch nichr nur Österreichs geo-
graphische Stellung und seine Terrainverhältnisse größtenrheils durch
eigene Anschauung, sondern auch seine ökonomischen Gewerbs- undHan-
delsverhältnisse, so wie seine Finanzmittel in ihrem Ursprünge kennen;
selbst Österreichs publizistische Lage im Innern und seine Stellung gegen
das Ausland, war ein Theil seines Berufsstudiums. Das 1790 von ö.
gegründete cosmogravhische Institut, eine gelehrte Gesellschaft, welche
vom Patriotismus geleitet, ihre Talente und ihre Verwendung dem ge-
meinen Besten widmete, horte zwar 1797, den damahligen Zeltumstän-
den weichend, als gelehrte Verbindung gegenseitig unabhängiger Mit-
glieder auf, ohne daß jedoch L. die Idee, seinen Zweck weiter zu verfol-
gen, aufgegeben hätte. Durch die Aufnahme mehrerer hiezu geeigneter,
für die Wissenschaft thatiger Gehülfen, sicherte er vielmehr die Fortfüh-
rung dieser Privat-Unternehmung. Von 3. wurde kein Gegenstand un-
beachtet gelassen, der auf das'Staatswohl Bezug hatte, und ihm gele-
gentlich bey seinen Geschäftsreisen vorkam. Er beeilte sich jederzeit, die
Behörden darauf aufmerksam zu machen und manche wichtige Einrichtun-
gen und Verbesserungen waren die Resultate seiner BeMhungen. Bey
der 1797 unternommenen trigonometrischen Aufnahme des Landes ob der
Enns, erboth sich L. zur unentgeltichen Ausführung derselben und voll-
brachte dieselbe so genügend, daß dadurch alle früheren Grundausmessun-
gen berichtigt und sicher gestellt, und eine Menge der, den allgemeinen
Verbindlichkeiten entzogenen und verheimlichten Gründe entdeckt wurden.
Wesentliche Dienste für das gemeine Wohl leistete L. zur Zeit der franzö-
sischen Invasion 1809. Einen Antrag, zur Direction des statistischen Bu-
reaus in französische Dienste zu treten, lehnte L. auf das bestimmteste
ab. Durch das nach und nach erfolgte Absterben aller Familienhäupter,
welche L. ihre Gütergeschäfte anvertraut hatten, seiner bisherigen Ver-
hältnisse entäußert, verließ er 1813 seinen Wirkungskreis, und both
dem Kaiser seine Dienste an. 18!9 erhielt er die kaiserl. Genehmigung
zur Errichtung eines statistischen Bureaus, welches jedoch nicht zur Aus-
führung kam. L. erbath, nach langem fruchtbringenden Wirken, im Oc-
tober 18l9 die nöthigen Reisepässe, um bey den nächsten Angehörigen,
seiner Gattinn, einer geborn en Freyinnvon Tschammer d'Osten aus
Preußisch-Schlesien, der Ruhe und den Wissenschaften zu leben. Seine
vorzüglichsten imDrucke erschienenen Werke sind : Beytrüge zur genauen
Kenntniß des österreichischen Staates und seiner Provinzen^ Wien 1790.
— Statist.-geograph. Beschreibung des Erzherzogthnms Osterreich un-
ter der Enns, eb. 1791. — Entwurf zu einer vollständigen Darstel-
lung der allgemeinen Nechtslebre der osterr. deutschen und galizischen Erb-
lande, 2 Thle. eb. 1793 — 1800. — Über die Schiffbarmachung der
Mur in Steyermark, ek. 1802. - Über Österreichs Seeküsten und
Seeschifffahvc, eb. 1802. — Über Österreichs Handel nach der Levante
und der Küstenlander des mittelländ. Meeres, eb. 1803. — Archiv für
Geographie und Statistik :c., 4 Jahrgänge, Prag und Wien, 1801
— 4 . — Statistische Übersicht der Königreiche Ungarn und Croatien,
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie