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Mangel an Geschütz, ihren Zweck nicht erreichen konnten, hatte doch
dabey die Stadt sehr viel zu erdulden und alle Vorstädte wurden ein
Raub der Flammen. Die neuern feindlichen Überfalle in den französischen
Kriegen seit 1800 kosteten zwar L. beträchtliche Summen, doch litt es
in denselben keinen Schaden an seinen Gebäuden. — Einige Feuersdrün-
ste hatten zur Folge, daß die zerstörten Häuser nach kurzer Zeit aus
dem Schütte schöner wieder hervorgingen, besonders nach dem Feuer,
welches den 15. Aug. 1300 im Schlosse ausbrach. Diesem Unglücke ver-
dankt L. wesentliche Verschönerungen. Über den hier geschlossenen Frie-
den, s. Friedensschlüsse. 1309 (17. May) hatte bey L. ein Ge-
fecht zwischen 2 Colonnen des Kolow rat'schen Corps und einer Abthei-
lung von würtembergischen und sachsischen Truppen, wobey sich jedoch der
Feind behauptete, Statt gefunden. — Topographie. L. zählt
25,000 Einw. in 1,430 Hausern. Es wird in 4 Sectionen eingetheilt,
wovon eine die eigentliche Stadt, die 3 andern die Vorstädte ausmachen.
Die Stadt hat 4 Thore und 3 Plätze; den Pfarrplatz, die Promenade
und den Hauptplatz, welcher mit einer 1723 von Kaiser Car l V I . er-
richteten Dreyfaltigkeitsäule und 2 Springbrunnen geziert ist. Außer 5
Klöstern befinden sich in L. mehrere Kirchen: Die Domkirche, die St.
Josephs- und St. Mathias- Pfarrkirche, die Kirche der Barmherzigen,
der Ursulinerinnen, des Seminariums der Cleriker, der Elisabethine-
rinnen, der da gewesenen Minoriten und jene von St. Margarethen.
Unter den Profangebauden zeichnen sich aus: Das Landhaus, schön und
prachtig gebaut, hat einen hohen mit Kupfer gedeckten und mit reichen Ver-
goldungen geschmückten Thurm; das Negierungshaus; das Rathhaus,
1414 erbaut, mit einem Thurme, auf welchem eine Uhr, die die Stun-
den lmd die Mondesviertel anzeigt; das große Stadtbrauhaus; das
Mauthhaus; das Bancalamt; die Caserne; das Gymnasial-und neuer-
baute Hauptschulgebäude,; das Theater:c. — In L. befinden sich die ersten
Behörden des Landes ob der Enns, nähmlich die Regierung, dasSradt-
und Landrecht, .ferner ein Bisthum mit seinem Domcapitel, das Kreis-
amt für den Mühlkreis und ein Magistrat. An Lehr- und Wohlthätig-
keitsanstalten besitzt L. ein Lyceum mit Bibliothek und ein Gymnasium,
ein physikalisches Museum, den k. k. Musterhof zu ökonomischen Versu-
chen, ein Seminarium angehender Priester, eine Normalhaupt- und
Kunstschule nebst 3 Trivialschulen, eine Mädchenschule und ein Erzie-
hungsinstitut bey den Ursulinerinnen, eine Ingenieur- und Zeichnungs-
schule, 2 militärische Erziehungshäuser, ein Privat-Taubstummen-Insti-
tut, ein Krankenhaus der Barmherzigen und eines der Elisabethinerin-
nen, eine k. k. milde Versorgungsanstalr mit Lazareth, ein militärisches
Krankenhaus :c. Das hiesige Strafhaus war das erste, worin ordentliche
Arbeitsanstalten der Sträflinge eingerichtet wurden, welche sodann auf
gleiche Art in den Srrafhäusern der andern Provinzen zu einer vorschrift-
mäßigen Ausführung gebracht worden sind. — Der Gewerbssieiß in L. ist
eben so beträchtlich, als die verschiedenen Fabriken in Leder, Wollen-
zeug, Kattun und Sammt. Besonders bemerkenswerth darunter ist die
Linzer k. k. Wollenzeug-, Tuch- und Teppich-Fabrik (s. d.), in einem
großartigen Gebäude, worin mit Maschinen gearbeitet wird. -"- L. hat
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie