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i t t r o w. 465
und preuß. Schlesien, wo er in der Einsamkeit des Landlebens ganz der
schönen Literatur und in den spateren Jahren der Mathematik und Astro-
nomie lebte, mit welchen beyden Wissenschaften er sich, ohne fremde An-
leitung, bloß durch Bücher bekannt zu machen suchte. 1807 wurde er
zum Professor der Astronomie an der Universität zu Krakau ernannt.
Hier verband er sich mit Carol inen von Ulr ichsthal , del Tochter
eines Kreishauptmanns in Oalizien. Diese glückliche Ehe, die 1833
durch den Tod der Gattinn getrennt wurde, gab ihm eine zahlreiche
Nachkommenschaft von 15 Kindern, durchaus Knaben, von welchen
,etzt nur noch 5 leben. — Das Einrücken de5 franzö's. poln.-Heeres in
Oalizien 1809 störte seine bisherigen angenehmen und ganz den Wis-
senschaften gewidmeten Tage und L. ging, dem Rufe des damahligen
Ministers der Volksaufklärung, Rasumovsky) folgend, als Profes-
sor der theoretischen Astronomie nach Kasan in Nußland, wo er in
Gemeinschaft mit mehreren ausgezeichneten Professoren des nördlichen
Deutschlands, Fr ahn, Erd mann, Bar te ls u. A. m., die eben-
falls durch die Unruhen jener Zeit nach Kasan verscheucht wurden, sie-
ben glückliche Jahre verlebte, und die Drangsale, welche seine zurückge-
lassenen Landsleute verfolgten, nur vom Hörensagen kennen lernte. An
dieser Universität wurde er zum Mitgliede der großen Schulcommission
ernannt, deren Bereich sich über alle Unterrichtsanstalten von Ni sch n i-
Nowgorod, bis an die östlichen Ufer des stillen Meeres erstreckte und
in welcher er durch 3 Jahre zur Aufnahme der Volksbildung in diesem
weit ausgedehnten Landstriche rastlos thätig arbeitete. Im Garten der
Universität erbaute er eine provisorische Sternwarte, die er mir astrono-
mischen Instrumenten von Reichenbach in München und Baumann
in S tu t t ga r t versah, und die bloß del'l Zweck hatten, seine Zuhörer
in dem Practischen der Wissenschaft zu unterrichten, und die definitive,
größere Sternwarte vorzubereiten, zu welcher der eigentliche Observator
noch erwartet wurde. Diese wird jetzt von dem Staatsrathe Simo«
now erbaut, L.'s Zögling und Adjunct im Lehrfache, 1316 sein Nach-
folger an der Universität, derselbe, der 1820—23 als Schiffsastronom
die russische Entdeckungsreise mitgemacht hat. — Während seiner Anwe-
senheit in Kasan wurde L. zum Mitgliede der kaiserl. Akademie der
Wissenschaften in St . Petersburg ernannt, deren Memoiren mehre-
re gehaltreiche astronomische Aufsatze von seiner Hand enthalten. — Als
er 1616 um seinen Abschied ansuchte, um wieder in sein Vaterland zu-
rückzukehren/ erhielt er von dem Senate der Universität ein ruhmvolles
Entlassungsschreiben und von dem Monarchen Rußlands den St. Annen-.
Orden der 2. Classe. Die sämmtlichen Professoren seiner Facultat, mit'
welchen er bisher in der innigsten Freundschaft gelebt hatte, begleiteten
ihn und seine Familie bis jenseits der Wolga, wo sie das Abschiedsmahl
einnahmen und ihm, zum Andenken der mit ihnen verlebten Tage, ein
gedrucktes russisches Abschiedslied überreichten. -— Er folgte dem Rufe des
^zherzogs Palatin, an die eben vollendete Sternwarte auf dem Blocks-
berge bey Ofen in Ungarn, als deren Vorsteher er auch im Iuly 1816
ankam. Obschon dieses Institut mit den besten Instrumenten ausgerüstet
war, so wurde er doch, durch die widrigsten Verhältnisse, an ihrem
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Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie