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«.obkowiy von sassenstein, Vohuslaw.
sollte, entgegengezogen war und dem Fürsten L. nur 10,000 Mann zur
Blokade von Prag zurückgelassen hatte, so gelang es dem Marschall
Bel leiste mit 12,000 Mann.noch kampffähiger Leute (die Garnison
hatte den größten Mangel an Lebensmitteln gelitten) in der Nacht vom
11. December Prag in aller Stille zu verlassen und sich nach Eger
zurückzuziehen, auf welchem Marsche mehrere tausend Franzosen vor
Hunger, Frost und Mühseligkeiten umkamen. Der Überrest der Besa-
tzung, welcher sich unter dem General Chevert in die Citadelle gezo-
gen hatte, ergab sich den 26. Dec. 1742. Das Jahr darauf stand L.
bey der Armee in Italien und vertrieb die Spanier aus R im in i . Bis
im Monath August 1746 blieb er noch in Italien unter dem Obercom-
mando des Generals Gag es, und ward sodann zurArmee nach Deutsch-
land berufen, wo er bis zum Frieden zu Aachen (den 18. Oct. 1743)
verblieb. Sein Tod erfolgte zu Wien den 9. Oct. 1753.
Lobkowiy von sassenstein, Bohuslarv, der große Böhme,
einer der gelehrtesten Männer seines Jahrhunderts, ein Dichter vom ersten
Range. Auf der, von dem jungen Adel Böhmens in jener Zeit häufig
besuchten Hochschule von Bo logna , wurde er mit den alten Classikern,
welche von wenigen, dem Sturze von Byzanz entronnenen Griechen,
vor Kurzem erst nach Italien verpflanzt worden waren, vertraut. Dorr
knüpfte er mit ausgezeichneten Männern literarische Verbindungen, wel-
che er sein ganzes Leben hindurch unterhielt, an. Eine solche war der
Freundschaftsbund mit Peter Schottus, dem Patrizier und Dom-
herrn an der Kirche des heil. Peter's in Straßburg. Von Bologna
begab er sich nach Ferrara, um dem Studium der Rechtswissenschaft
und der Gottesgelehrtheit obzuliegen. Hier erhielt er die Würde eines
Doctors der Rechte. Aus Iralien zurückgekehrt, besuchte er mehrere
Hochschulen Deutschlands, unter andern vorzüglich jene von Straß«
bürg. Die unruhigen Verhältnisse seiner Zeit riefen ihn, als er im
Vaterlande angelangt war, ins Feld, Zwiste von Glaubensmeinungen,
und angefochtene Rechte seines Landesherrn und seines eigenen Stammes
auszukämpfen. Hierauf folgte er den wiederholten Aufforderungen seiner
Freunde, und nahm Dienste an dem Hofe Königs Wlad is law, aus
welchen er jedoch nach 2 Jahren wieder trat. Den Abschied im Hof-
lager in Ofen erschwerte ihm der dort genoffene Umgang gebildeter
und gelehrter Freunde, welche meistens Mitglieder der Donauge-
lehrtengesellschaft waren. In spätern Zeiten, seinen Freunden, den
Musen und den Wissenschaften ganz ergeben, besuchte er selten den Hof,
dessen Klippen er scheute. Indessen stand er dennoch in innigster Verbin-
dung mit mehreren Staatsmännern vom ersten Range, und unter An-
dern mit dem Kanzler des Königreichs, Johann v. Schellenberg,
den er als Musterbild von Tugenden, die einen Staatsmann schmücken
sollen, schildert. L.'s langes Sendschreiben an König Wlad is law über
die politischen und kirchlichen Angelegenheiten des Königreichs beweist
die tiefen Kenntnisse, welche er in diesen Gegenständen hatte, und das
große Ansehen, in welchem er bey seinem Landesherrn stand. Es ist eben
so sehr ein Muster edler Offenherzigkeit, Mäßigung, Ehrfurcht und
Ergebenheit, als des Briefstyls und classischer Latinität. Seiner großen
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie