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Lobkowiy von Hassensteln, Bohuslaw. 475
Auslandes. Hierdurch und durch den Ruf dieser Bücherschätze veranlaßt,
erbathen sichMartin LutherundPhi l ipp Melanchton 70Bände
derselben zu ihrem Gebrauche von Sieg mund L. von Hassenstein.
Bey erfolgter Zurückstellung der Bücher, wurden sie einstweilen im
Schlosse zu Komotau abgegeben, wo sie 1525 verbrannten. Leider
erlitt diese Büchersammlung auch noch in den Unruhen und Kriegen der
folgenden Zeiten mehrere Plünderungen., Auch wurde ein Theil derselben
später an die Jesuiten verschenkt. Der Überrest befindet sich noch jetzt in
der fürstlichen Bibliothek zu Raudnitz. L. bewohnte die größte Zeit
seines Lebens hindurch Hassellstein. Dort wurde er längere Zeit durch
Zwistigkeiten, welche zwischen seinen Brüdern ausbrachen, beunruhigt.
Es gelang zuletzt seinen Bemühungen, die Mißverstandnisse, welche sie
entzweyten, auszugleichen. Auf Hassen st ein übte er auf fürstliche
Weise die Pflichten der Gastfreundschaft glänzend aus, und war zu-
gleich der Vater seiner Vasallen und der Armen. L. arbeitete an einer
Geschichte von Böhmen, die jedoch leider nicht auf uns kam, welches
um so mehr zu bedauern ist, als ein zeitgenosser Gelehrter ihn wegen
seiner Wahrheitsliebe und seinen vielumfassenden Kenntnissen als treff-
lichen Geschichtschreiber schildert. Er trieb Mathematik und Sternkunde,
wozu er eine schöne Sammlung Instrumente besaß, beschäftigte sich mit
dem Feldbau, und war ein Freund der Jagd. Er hatte in mehreren
Städten Europa's Geschäftsführer und Abschreiber angestellt, um ihm
Bücher, Handschriften und seltene und kostbare Gegenstande verschiede-
ner Art zu verschaffen, vorzüglich in Venedig und Augsburg, wo
der Candiote Aristobolus und das berühmte Handlungshaus Fug-
ger von ihm zur Besorgung seiner literarischen Angelegenheiten jährliche
Gehalte bezogen. L. starb am 12. Nov. 151l), 48 Jahre alt. Seine
weiten Reisen, seine großen Kenntnisse, sein Dichter- und Rednertalent,
seine Verbindungen mit den ausgezeichnetesten Männern seiner Zeit er-
warben ihm noch bey Lebzeiten den Nahmen eines böhmischen Ulys-
ses, P l in ius (des Jüngern) und Ho raz, welche ihm auch nach dem
Tode blieben. Seine beißende Spottschrift über die Großen, den Adel
und den Pöbel seiner Heymath, so wie sein Brief über die Sitten der
Prager, hätten ihm eben so gut den Nahmen des böhmischenI uv e na l's
verdienen können. Es ist außer Zweifel, daß der bescheidene Dichter die
Schöpfungen seines Geistes zu ungerechter und ewiger Vergessenheit ver-
urtheilt hatte. Er empfahl seinem Freunde V ic to r in Schlechta von
Wschehrd, das tiefste Stillschweigen über das erwähnte Spottgedicht,
dessen Manuscript er ihm nur vertraulicher Weise geliehen hatte. Es
laßr sich zwar nicht zweifeln, daß mehrere seiner Gedichte noch bey seinen
Lebzeiten bekannt wurden. Beweis dafür ist das ihnen ertheilte Lob der
Zeitgenossen. Gesammelt und herausgegeben wurden sie jedoch erst 60
Jahre nach dessen Tode durch die Verehrer seiner Muse, vorzüglich durch
Thomas M i t i s , wie: Lucubrationes oratoriae. Prag 1563. —
^arragci poernatum, Episwlae. eb. 157l). — Sein Aufruf an den
Kaiser (Max imi l ian I.) und die Könige der Christenheit, um sie zu
einem Kreuzzuge gegen die Türken zu stimmen; seine Elegie auf den Tod
der Königinn Anna; sein an die l4 Nothhelfer (divos tl
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie