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Löwe , Ludw. (eigentlich Daniel I oh . Ludw.) , k. k.
Hofschauspieler, wurde den 29. Iän. 1795 zu R in te ln in Churhes-
sen geboren. Sein Vater, Friedrich August L., war der Sohn
eines Bürgers von Perleberg in Preußen, und hatte schon in früher
Jugend seine Heimath verlassen, um sich der Schauspielkunst zu widmen.
Bey der Spindler'schen Gesellschaft, welche damahls Sachsen durch-
zog/ engagirt, lernte er die Schauspielerinn Therese Mayer , die
Tochter eines Arztes aus Innsbruck, kennen, und vermahlte sich mit
ihr. Einige Zeit darauf verließen Beyde die Spindler'sche Gesellschaft.
DerVater errichtete selbst ein wanderndes Theater, und hatte durch sein
rechtliches Betragen das Glück, sich die Privilegien, in Preußen, Sach-
sen, Mecklenburg und Westphalen zu spielen, zu verschaffen. Durch 25
Jahre stand er diesem Geschäfte mit musterhafter Ordnung und Rechtlich-
keit vor. Ludwig L. betrat unter den Augen seines Vaters die Bühne,
und versuchte sich mit vielem Geschicke in mehreren, ja sogar weiblichen
Kinderrollen, wie z. B. als Lili im „Donauweibchen." Nach dem 1806
erfolgten Tode des Vaters, kam Ludwig , nebst seinem jüngern Bru-
der Car l , in das Haus seines alteren Bruders Ferd inand, welcher
damahls bey dem Magdeburger Stadttheater angestellt war. (Ferdi-
nand L./ zuletzt bey dem Hoftheäter zu Frankfur t a. M. engagirt,
genoß in Deutschland eines ausgezeichneten Künstlerrufes. Zu einem
Gastspiele nach dem Hofburgtheater in Wien berufen, starb er daselbst,
noch vor Eröffnung desselben, am 13. May 1832; dessen Tochter, So-
phie L. ist in W ien als Hofopernsängerinn engagirt und sehr beliebt.)
Beyde besuchten die Schule des Liebfrauenklosters. Da geschah es, daß
der Schauspieldirector N u t h , der damahls mit seiner aus lauter Kin-
dern bestehenden Gesellschaft Norddeutschland durchzog, auch in Mag-
deburg sein Theater aufschlug/ und in dem damahls l3jährigen Lud-
wig den Gedanken erweckte, in die jugendliche Schauspielergesellschaft
aufgenommen zu werden. Der altere Bruder gab sich vergebens alle Mü-
he, diesen Vorsatz zu bekämpfen, und sah sich endlich gezwungen, den
dringenden Bitten Ludwig's nachzugeben. Die Reise ging nach Qued-
l inburg. L. fand in seinen neuen Verhältnissen Gelegenheit genug,
sich in den verschiedenartigsten Rollen zu versuchen, und zeigte in jener
Zeit eine besondere Geschicklichkeit für das Fach der Alten. Indessen ver-
mochte er sich in seiner Lage nicht lange zu gefallen, denn den armen.
Kindern wurden ihre Kunststudien auf eine oft empörende Weise durch
Hunger und Mißhandlungen erschwert. Solch schlechter Behandlung
überdrüssig, kehrte L. schon nach einem Jahre wieder nach Magde-
burg zu seinem Bruder zurück. 1810 reiste er mit seiner Mutter
und seinem Bruder Car l zu seiner Schwester J u l i e , welche da-
mahls in Wien privatisirte. Koch und Krüger, k. k. Hofschauspie-
ler, die das Haus seiner Schwester besuchten, erkannten in dem da-
mahls kaum 15jährigen Knaben ein beachtenswerthes Talent, und ihren
freundlichen Bemühungen hatte er die Auszeichnung zu verdanken, daß
er im Hoftheater zwey Mahl, als Eduard Bronnstein im„Incognito"und
als Anton in den „Verwandtschaften" auftreten durfte. Ganz besonders
,nahm sich Krüger um L. an, und studirte mit ihm auch die Rollen.
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Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie