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5452 L o u d o n.
erste Bestimmung war für Croatien. Kaum angelangt, erneuerte er den
Angriff aufDubicza (Aug. 1783), schlug den heröeyeilenden Entsatz
zurück, und zwang den Ort zur Übergabe. Vor N o vi wurde eineförm,
liche Belagerung eröffnet, die Hülfe auch hier abgetrieben, und die von
den Türken mit'gewöhnlicher Hartnäckigkeit vertheidigte Festung fiel im
zweyten Sturm. — Im folgenden Feldzuge griff L. mit dem croatisch-
slavonischen Heere Neu - G radisca (Berbir) so nachdrücklich an,
daß der Feind (Iuly 1789) den Platz verließ. Ihm fiel bey der singe,
tretenen Krankheit des Feldmarschalls Hadik nun auch die Anführung
des Hauptheeres zu. Vecsey und Cler fayt harten bey seiner Ankunft
den Versuch der Türken, wieder in das Banat einzudringen, nachdrücklich
zurückgewiesen. So ging es denn an Be lgrad . Unterdessen Coburg
und Suwarow bey M a r t i n estie. Hohen lohe bey Porcseny
siegten, und der Seraskier mit dem Entsatze unentschlossen bey Estu-
pria stehen blieb, wuvde die Belagerung mit großem Eifer betrieben.
Die Vorstädte fielen im Sturme, und die Besatzung der Festung, auf
keine Kriegsehre, nur auf ihre und der Einwohner Rettung bedacht,
ergab sich mit einem reichen Vorrathe von Vertheidigungsmitteln und
65 größeren und kleineren Donauschiffen. Semendria öfft-ete die Thore,
der Seraskier wurde bis hinter Nissa geworfen, Orsowa blieb einge-
schloffen, und man breitete sich bis an den Timok und über die Alutaaus.
Mit einem so glänzenden Ende de^Feldzuges hatte L. Joseph I I . in
seinen letzten unruhvollen Tagen getröstet. — So dringende Ursachen
Leopold I I . in seinem Geiste und Herzen, in der inneren Lage des
Staates und in den ausländischen Verhältnissen zum Frieden fand; eben
so sehr war der tief blickende Monarch von der Nothwendigkeit eines
Kriegsstaates überzeugt, der Sicherheit gewahren und Ansehen gebie-
then konnte. Auch er schenkte L. sein unbeschranktes Zutrauen, indem
er ihn in den kurz zuvor erhaltenen ausgedehnten Vollmachten bestätig-
te.— Jetzt aber schien L. in Mähren nothwendiger, um nachbarliche Be-
wegungen zu beobachten, als an der türkischen Gränze, wo man sich
bey den glänzendsten Aussichten beschrankte, nur den Feind nicht ein«
dringen, ihn zu keinem Vortheile kommen zu lassen. Nachdem L. die
Truppenkette der galizischen, mährischen und böhmischen Gränze bereist
hatte, kam er (May 1790) nach Wien , bald aber in sein Hauptquar-
tier zu Neu titsch ein zurück , wo er schon kränkelnd eintraf, und
auch (14. Iuly 1790) das Ziel seines Lebens fand, aber nicht feines
Ruhmes, der ewig in der Geschichte lebt, und von dem Niemand be-
scheidener als er selbst dachte. „Wir haben, sagte er auf seinem Sterbe-
bette, einen gütigen und edeldei'.kenden Monarchen; wir werden Friede
haben, und so wird man meine Person um so weniger vermissen." Dieß
ist der letzte Zug in der Characteristik des Verewigten, und von der
Seite, von der ihn Wenige kennen — einer der schönsten. — Seine
Büste, die im Nathssaale des Kriegsgebäudes jener Lascy's gegenüber
aufgestellt ist, trägt folgende Inschrift: l^ideonis Loudoni summi
cüijlrorum prgelecti, sempcrztrenui, fnrtis, lelicismilitis etcivis
optimi exemplum, qund duccs militesque imitentur, Ic>8. I I .
Aug. in ejus elligie proponi voluit. Anno
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie