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508 Lueger, die tkdlen v. — Lueger, Lrasmns.
hundert; denn die Burgverließe und derley Gemächer sind ganz verfal-
len. Über dem jetzigen Schlosse stehen die sparsamen Überreste der eigent-
lichen Stammburg L., wohin ein über einen Felsenabhang von Holz ge-
zimmerter Gang führt. Es befinden sich hier 3 Grotten über einander;
in die oberste ist die Ruine der Burg halb hineingebaut; die mittlere,
zu der ein schmaler felsiger Fußsteig führt, soll über 200 Klafter lang
seyn; die dritte ist ein PaarKlafter tiefer und nimmt den Bach Lokva auf.
Lueger, die Edlen v. Ein altadeliges Geschlecht in Steyer«
mark, welches zwischen P eck au und S t . Stephan eine Veste, ge-
nannt Lueg ins Land besaß, und in den Kriegen und innerlichen
Unruhen dieses Landes eine bedeutende Rolle spielte. Ein Otto von
Lueg kommt 1202 in einer Urkunde des Stiftes St . Lambrecht vor,
woraus erhellt, daß die Familie auch Rot te neck und den Thurm bey
Friedberg besaß. Die Spuren dieses einst so bedeutenden Geschlechtes
verschwinden im 15. Jahrhundert.
Lueger, Krasmus, ein tapferer Krieger, Waffen.qefährteund
Freund Andreas Baumkircher's, warum 1430 in Krain geboren.
Er genoß ritterliche Erziehung und focht, wie Jener muthig in Kaiser
Friedrich's Heeren. Der blutige Fall seines innigsten Freundes erfüllte
L. mit hohem Unmuth und Trübsinn. Am kaiserlichen Hoflager zu Frank-
furt am Main erschlug er den stolzen Hofmarschall, Grafen von Pap-
penheim, welcher Baum kircher einen Verräther und Rebellen
genannt hatte, im Zweykampf, und nun bothen dessen Freunde und
Verwandte alle Mittel auf, auch L. zu verderben. Er wurde als Störer
des Landfriedens verhaftet, in einen dumpfen Kerker geworfen, zum
Tode verurtheilt, und als er durch Hülfe eines treuen Freundes, des
kaiserl. HofmeistersWil h.v.Bäreneck, dem ihm drohenden.Schicksale
durch Flucht entging, mit Acht und Bann belegt, und aller seiner Gü-
ter beraubt. Da zog sich L., von Wuth und Menschenhaß erfüllt, in sein
festes Felsenschloß Lueg ins Land, in der Steyermark zwischen P e-
ckau undSt. S tephan gelegen, zurück, und übte fortan, racheglühend,
das furchtbare Gewerbe eines Raubritters aus. Binnen wenigen Wochen
hatte er mit seinen getreuen Reisigen schon Furcht und Schrecken weit
umher im Lande verbreitet. Vorzüglich waren reiche Mönche, raubsücktige
Vormünder, tyrannische Vögte und geldstolze Bürger die vorzüglichsten
Gegenstände seiner Überfälle und Plünderungen, indessen er oft den
Dürftigen und unverschuldet Leidenden als rettender Engel erschien.
Durch längere Zeit hatte L. dieses gefährliche Geschäft getrieben, als
dem Hauptmanne von Trieft, Freyh. Casp. v. Rauber, der Execu-
tionszug gegen ihn aufgetragen ward. Doch lange Zeit lag dieser vor
der fast unüberwindlichen, in einer Felsenhöhle erbauten Burg , und
selbst die Hoffnung durch Hunger die Übergabe zu erzwingen, schwand,
da L. mit den Seinen auf unbegreifliche Weise nicht nur allein sichtlich
im Überfluß lebte, sondern auch noch fast täglich durch seinen Leibknap-
pen den Führer der Executionstruppen mit irgend einer leckern Speise
bewirthen ließ. Doch eben dadurch zog er sich seinen Untergang zu. Der
Knappe ward mit reichen Geschenken gewonnen, und zeigte dem F^ey-
herrn ein bestimmtes Plätzchen an, auf welches sich L. täglich AbendS be-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie