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Mähren, l l . Geographie und Statistik. 52 l
Alaunsiedereyen, Eisenguß-und Hammerwerke, viele Pottaschhütten
und bey 30 Papiermühlen. Pie erzeugten Waaren werden nicht nur im?
Lande und auf auswärtigen Markten verkauft, sondern auch auf ge-
machte ansehnliche Bestellungen versendet. Vom Getreide wird vieles
nach dem angranzenden Böhmen und nach Schlesien geführr, so wie
Schmalz, Butter, Käse, Fische, und alle Gattungen von Wildpret häufig
nach Osterreich verkauft und versendet werden. Zur Beförderung der
Handlung sind mehrere Straßen mit vielem Kostenaufwands gebaut,
die immerfort im guten Stande erhalten werden. Derley Straßen sind
von Wien über Nikolsbu"rg, B runn , Olmütz nach Schlesien,
von Olmütz über Leipnik, Neutitschein nach Oalizien, und
über Trübau nach Böhmen, von Brunn über Oroß-Bitesch und
Groß-Meseritsch nach I g l a u und Böhmen, von Wien über
Znaym, welcher Orf auch durch eine eigene Straße mit Brunn in,
Verbindung gebracht ist, nach I g l a u und Pö'hmen, von Brunn
über Czernahora, L etto witz und Zw i t t au , in das östliche Böh-
men, und endlich von Brunn über Göoing nach Ungarn angelegt.
Die mahrische Sprache ist zwar die Hauptsprache des Landes, sie unter-
scheidet sich aber durch verschiedene Mundarten. Aie mährischen Einwoh-
ner an der böhmischen Gränze nahern sich der reinen böhmischen Sprache,
wovon aber die Hannaken, Walachen, Slowaken und mehrere an-
dere auf verschiedene Art abweichen. In einigen Gegenden des Landes,
vorzüglich an den Gränzen von Schlesien und Osterreich, besonders aber
in den Städten spricht man die deutsche Sprache, aber ebenfalls nach ver-
schiet'nen Mundarten, denn die Einwohner an den Gränzen nehmen
die Sprache ihrer Nachbarn der Österreicher und Schlesier an. Überhaupt
wird die deutsche Sprache im Gebirge und in den ebenen Gegenden,
auch sogar nach geringen Bezirken sehr verschieden gesprochen, wobey
sie nichr nur in der Aussprache, sondern auch durch eigene Redensarten
auf mancherley Art abwechselt. Flüsse und Wässer sind: Die March, der
größte und vornehmste Fluß im Lande, die Thaya, die Schwarza, die
Igla, die Betschwa, die Oder, die Ostrowitza, die Hanna. Von die-
sen Flüssen ist im eigentlichen Verstande keiner schiffbar, die meisten aber
verursachen viele Überschwemmungen, besonders im Frühjahre, wenn
der Schnee auf den nahe liegenden Gebirgen schmilzt. Aus diesen und
den verschiedenen kleinen Wässern, wovon die meisten in die March sich
ergießen, und die übrigen mit der Oder sich vereinigen, wie auch aus
den Teichen, die sich im Lande befinden, erhält man so viele Fische, daß
davon nicht nur das ganze Land, sondern zum Theil auch Osterreich ver-
sehen wird. Krebse und Schaiden werden vorzüglich schön in der March
gefangen. Die bedeutendsten Teiche sind: Bey Mönitz, Göd ing ,
Satschan, Dürnho lz , Namiest, Saa r , Teltfch und bey
Mar iahül f :c. Auch gibt es im Lande verschiedene Gesundheitswässer,
die als Bäder mit Nutzen gebraucht, und andere, die mit gleichem Vor-
theile vielfältig getrunken werden, von welchen weiter unten die Rede
ist. Mebr als die Hälfte des Landes ist mit Bergen besetzt, an drey
Seiten ist es mit Gebirgen umgeben, und zwar gegen Westen an der
Gränze von Böhmen ist das böhmische Gebirge, von da gegen Nor-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie