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Mailand (Delegation). — Mai land (Stadt). 5I3
Sarges ist mit goldenen Basreliefs ausgelegt. Die Wände derCapelle sind
ringsum mit reichen Goldtapeten bekleidet, und 8 Basreliefs von ver-
goldetem Silber am Gewölbe stellen die vorzüglichsten Begebenheiten
aus dem Leben des Heiligen dar. — Die Domkirche von Ma i l and hat
449 Fuß Länge auf 275 Fuß Breite; die innere Höhe der Kuppel be-
tragt 233 und die äußere 370 Fuß. Diese glanzvolle Kirche, ganz aus
weißem Marmor erbaut, und ein Bau, der an Umfang und Kühnheit
wenige seines Gleichen hat, ruht auf 52 Marmorsäulen von 34 Fuß
Höhe und einem Umfange von 24 Fuß. Man geht durch 5 geräumige
Thüren in die Kirche, deren mittlere durch die ungeheure Größe der
beyden Granitsäulen, auf welchen ihre Wölbung ruht, sich besonders
auszeichnet. :! '^
Ma i land, Delegation in der Lombardie, hat einen Flächeninhalt
von 45 Q. M. mit 429,000 Bewohnern, und wird von den Flüssen
Adda, Ticino, Muzza, Lambro, Olona, Sevese und von den Canä-.
len Naviglio grande und Naviglio Martesana bewässert. Diese Dele-
gation ist äußerst fruchtbar und erzeugt Getreide, Obst und Wein.
Die Seidencultur wird stark betrieben; es ist jedoch Mangel an Holz,
Salz und Mineralien. — Die Eintheilung derDelegation M. geschieht
in 16 Distn'cte und 339 Gemeinden.
Mai land, Hauptstadt der Lombardie in derDelegation gleiches
Nahmens gelegen. ^Geschichte. M . , 400 Jahre vor Chr. Oeb.
gegründet, dann die' Hauptstadt des Volks der Insubrer, später eine
römische Municipalstadt, Aleäiolanum, und öfrsr der Sitz römischer
Kaiser, ward im 5. Jahrhundert vonAt t i la erobert, von Bel isar
den Barbaren entrissen, in deren Hände es im 6. Jahrhundert zurück-
siel, bis Car l der Große, nach Besiegung der LongDbarden , für
einige Zeit Ruhe und Ordnung herstellte. Schnell blühte die Stadt un-
ter ihren Erzbischofen wieder auf, widersetzte sich aber bald den deutschen
Kaisern. Friedrich Barbarossa ließ, besonders aufgereizt durch
eine seiner Gemahlinn von den Mailändern widerfahrne Schmach,, ein
schreckliches Strafgericht über sie ergehen und siegänzlich schleifen, als sie
nach einer langen Belagerung in seine Hände siel. Doch bald wurde M.
wieder aufgebaut und spater von dem Geschlechteder V iscon t i be-
herrscht, bey dessen Erlöschen Frankreich und die von Osterreich unterstützte
Famillie Sforza ihre Ansprüche aufM. in einer mehr als 100jährigen
Fehde mit den Waffen in der Hand geltend zu machen suchten. Die
Schlacht von Pav ia entschied 1525 diesen langen Streit zum Nach-
theile Frankreichs. Auch die Familie S forza war mittlerweile ausge-
storben, und Car l V. gab M. als erledigtes Reichslehen seinem Sohne
Phi l ipp I I . von Spanien, bey welcher Krone es bis zum Frieden von
Rast adt 1714 blieb. Seit jener Zeit hat es bis zum Revolutionskriege
dem osterr. Hause gehört, welches durch den Frieden voll Par is auch
wieder in dessen Besitz gelveten. S. Lombardie. — Topographie.
Der allgemeine Anblick dieser großen, blühenden und gewerbreichenStadt
von 130,000 Einw. hat zwar nicht gerade etwas Überraschendes, allein
das schöne Straßenpstaster, die meist großen Gebäude, die vielen Pa-
läste und die reich verzierten Kirchen zeigen auf den ersten Blick, daß die
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie