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stehen sowohl in Böhnien als in Osterreich eigene Fabriken, welche un-
ter dem Nahmen Blaufarben- oder S.chmaltefabriken bekannt sind.
Böhmen hat 4 Fabriken dieser Art , nahmentlich zu Silberbach,
Plat ten und Iohannis tha l im Elbogner Kreise, und zu Chri-
stophhammer im Saazer Kreise. In Österreich unter der Enns wur-
de 1730 in der Schlegelmühle bey Olo ckn itz eine ärarische Schmalte-
fabrik errichtet, nachdem in der Gegend von Topschau' in Ungarn viele
Kobalterze entdeckt worden waren. Aus. schönen Erzen hat diese Fabrik
S^malte erzeugt, die jeder ausländischen gleich kam. — Mit Farben
von Wien wird bedeutender Handel getrieben, selbst in das Ausland.
Nahmentlich gcht viel Grün nach der Levante, und alle Gattungen Far-
ben nach Italien, Polen, Ungarn, Mäh-
ren u. s. w. Die Versendungen der Schmälte haben in der letzten Zeit,
selbst in die Levante, sehr abgenommen. Berlinerblau könnte, da es im
Oriente und besonders in China viel gebraucht werden soll, ein Han?
delsartikel dahin werden. Manche Farben werden dagegen bloß vom Aus-
lande eingeführt, z. B.Sepia, Indigo, Cochenille u. a. m. Floren-
tiner-Lack wird jetzt wenig mehr eingeführt, sondern in Trieft und
Venedig gemacht. Grünspan, Carmin, feine Pastellfarben kommen
größrentheils aus Frankreich, geriebene Metalle meistens aus Nürn-
berg, Schieferweiß aus Bayern und Würtemberg, Rebensctwarz aus
Bayern, feines Bergblau aus England. Selbst eine ganz gemeine
Farbe, der Kienruß, wird noch zum Theil vom Auslande, nahmentlich
aus Preußisch - Schlesien nach Wien gebracht, indem man hier mit den
dortigen Händlern zu concurriren nicht im Standeist, welche ihn auf
Schiebkarren Hieher bringen und auf der Reise 17—13 Tage zubringen.
Venedig macht viele Versendungen von Venetianer-Lack in Tafeln
und Kugeln und von schwarzen Tuschen. Viele Tusche Heht von Prag
auch nach Deutschland, Polen, Rußland :c.
Mal fat t i , Joh. , Dr. der Arzneykunde, Mitglied der medicin.
Facultät an der Universität zu W ien , Leibarzt der Erzherzoginn So-
phie und ihrer Prinzen, Mitglied vieler gelehrter Gesellschaften und
Ehrenbürger von I sch l, berühmter practischer Arzt i nW ien , ist ge-
boren zu Lucca 1776. Seine Studien begann und vollendete er an der
Universität zu Bologna unter dem Professor Oa lvan i , dem be-
rühmten Entdecker des Galvanismus. Am Schlüsse seiner Studien begab
sich M. (gleichzeitig mit dem großen Peter Frank) nach Wien , wo
er die Rigorosen machte, die Doctorwürde erhielt, und dann durch
7 Jahre als Secundararzt im dasigen allgem. Krankenhause unentgeld-
lich unter jenem großen Arzt und seinem Sohne Joseph Frank diente.
Nebstbey widmete sich M. der ärztlichen Praxis mit so rühmlichem Er-
folge, daß er bald allgemeines Vertrauen erwarb, und sich besonders
unter den höhern Standen Wien's eines großen Zutrauens zu erfreuen
hatte, wie er denn überhanpt eine ausgezeichnete Stellung unter den
jetzigen Heilkünstlern behauptet. 1310 wurde M. Leibarzt bey der Erz-
herzoginn Beatr ix von Este, welche Stelle er durch 19 Jahre bis
an ihren Tod bekleidete. Die Zeit des Wiener Congresses gab seiner
eigentlichen Praxis den glücklichsten Schwung, indem sich während der-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie