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Mantua (Stadt). — Mantua / Capitulation von. 553
Die vorzüglichsten Producte sind: Reis, Getreide, Mais, Oarten-
früchte, Flachs, Seide.—DieDelegat. M. wird in 15 Districte getheilt.
Mantua, Hauptstadt der gleichnahmigen lombardischen Delega-
tion durch Natur und Kunst eine der stärksten Festungen in Europa,
liegt auf einer Insel im Mincio, welcher hier mehrere Arme, so wie
sehr morastige Ufer hat, und zugleich einen Landsee bildet, der sich von
der Nord- und Ostseite um die Stadt zieht. Westlich und südlich ist sie
vom Mincio und einer breiten Sumpfstrecke umgeben. In diesen Sümpfen
liegt das abgesonderte Hornwerk Prade l la , und an der Südseite die
stark befestigte Insel Cerese oder il Te, nördlich zwey befestigte Vor-
städte, Borgo di Fortezza (gewöhnlich Ci tadel la d iPor to ge-
nannt), und Borgo di S. Giorg io. Jede dieser Vorstädte hängt
durch eine 800 Schritt lange Brücke mit der Stadt zusammen, welche
24/000 Einwohner faßt. Von Gebäuden sind bemerkenswerth: Der Pa-
lazzo vecchio mit Fresken von G iu l i oRomano ; der Palazzo del Te
mit weitläufigen Gartenanlagen und den berühmten Plafonds vonG i u-
lio Romano; der ehemahlige Iustizpalast mit einer Statue Vir-
gil's; das neue Theater; die Cavallerizza; die Citadelle; das Som-
mertheater (Arena); die Cathedrale von G. Romano erbaut; die
St. Andreaskirche; die St. Ägydiuskirche; die St. Barnabaskirche mit
dem Grabe G. Romano's; die Dominicanerkirche. —Der Hauptplatz
M.'s führt den Nahmen Virg i l 's und trägt die Büste dieses Dichters.
— M. ist der Sitz der kön. Delegation und Provinzial-Congregation,
eines Civil-, Criminal- und Handelsgerichts, eines Bisthums mit Ca-
thedralcapitel, und hat ein Lyceum mit öffentlicher Bibliothek, ein
königl. Gymnasium, eine Haupt- und Mädchenschule, und die soge-
nannte Virgilianische Akademie der schönen Künste (s. d.) mit einer Ge-
mäldesammlung. Das Museum der Statuen, welches diese Akademie
besitzt, ist, obwohl wenig bekannt, doch das vierte in Italien, und
steht bloß denen zu Florenz, Rom und Neapel nach. — Von
WohlthätigkeitS-Anstalten trifft man ein Stadtkrankenhaus (seit 1449),
in welches auch Geistesverwirrte und jährlich über 300 Findlinge aufge-
nommen werden; ein Knabenwaisenhaus; ein Madchenwaisenhaus;
ein Almoseninstitut; ein Leihhaus; ein Arbeit- und Versorgungshaus,
und ein für 50 arme Juden gegründetes Zuflucht- und Arbeithaus. Auch
befindet sich zu M. das lombardisch-venetianische Strafhaus für Verbre-
cher. — (Über W urmse r's Capitulation s. d. folg. Art.)
Mantua, Capitulation von, den 2. Febr. 1797. Nach den
für die österr. Truppen unglücklichen Gefechten bey Rivo l i , und Pro«
vera's fruchtloser Unternehmung zum Entsatzeder Festung Mantua ,
musite dieser vorzüglichste aller Waffenplätze Österreichs in Italien seinem
Schicksale überlassen, dem Gesetz des Sieges unterliegen. Der drückende
Mangel an Lebensmitteln für Menschen und Pferde , von deren Flei-
sche sich die Besatzung vom obersten Befehlshaber angefangen, bereits
seit 2 Monathen genährt hatte, eine verheerende Seuche, als deren
Opfer bey ganzlichem Abgang auch der nothwendigsten Arzneymittel be-
reits 17,000 Mann gefallen waren, und die verschwundene Hoffnung
auf die Möglichkeit eines Entsatzes, beugten den festen Sinn des
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie