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Matiegka, Ios. (Vater). 593
und Schlesien/ Markgraf zu Mähren und in der Lausitz. Die letzten
Jahre seines thatenreichen Lebens brachte M. größtentheils in Wien zu,
traf daselbst einige sehr weise und zweckmäßige Anordnungen, ließ den
obern Theil der St. Stephanskirche vollends ausbauen, auch betrieb
sr auf das eifrigste die Heiligsprechung des Markgrafen Leopold, dessen
Gedächtniß den 15. Nov. 1485 zum ersten Mahle bey St . Stephan
gefeyert wurde, doch belastete M. auch die Stadt Wien mit unge-
wöhnlichen schweren Steuern und Abgaben und legte Vielen, besonders
aber den reichsten Kausieuten, bey geringen Ursachen die schwersten Geld-
strafen auf. Im MonatheMarz 1490 wurde M. auf einmahl von steigen-
der Schwäche ergriffen, heftige Schmerzen stellten sich ein, und sein
nahes Ende war vorauszusehen, obschon er seinen leidenden Zustand mit
starkem Geiste bezwang. Dqch schon in der Charwoche wurde er vom
Schlage gerührt, und starb, nachdem er durch zwey Tage große Schmerzen
gelitten hatte, den 5. April 1490 im 47. Jahre feines Alters. Bey seinem
Tode, so erzählt die Sage, trat die Donau aus ihren Ufern, die Löwen
des königl. Schloßgartens zu Ofen starben, und die Raben (Abzeichen
und Wapenthiere des Geschlechtes Corvin) flogen mit wildem Geschrey
von dem Ofner Königsschloß nach Stuh lwe ißenburg , wo die Grä-
ber der Könige sind. M., der in beyden Ehen kinderlos geblieben war,
und nur einen natürlichen Sohn, Johann Corv in , hatte, den er
.zu seinem Nachfolger bestimmte, hinterließ das Reich im besten Zustande.
Durch Wahl der Stände wurde jedoch nicht sein Sohn, sondern König
Wladislaw von Böhmen zur ungarischen Krone berufen. Wien aber
wurde noch im Aug. 1490 durch den röm. König Max imi l ian I.,
Kaiser Friedrich's ritterlichen Sohn, wieder erobert.
Matiegka, Ios. , berühmter Virtuose auf dem Waldhorn, war
geboren zu O b er-Czerekwe in Böhmen, den 28. Jänner 1728. Die
Humaniora studirte M. an dem Iesuitenseminar zu Teltsch, frühzeitig
widmete er sich auch den musikalischen Studien, zu welchen er besondere
Neigung hatte. Hierauf studirte er in Prag Philosophie und Theologie;
sein Wunsch, Geistlicher zu. werden, wurde jedoch eines körperlichen
Schadens wegen, nicht erfüllt, und er widmete sich nun ganz der Musik.
Zuerst wurde> er in Prag in das Wenzelsseminar als Waldhornist an-
gestellt, da er sich vorzüglich auf dieses Instrument verlegt hatte, dann
erhielt er eine Stelle in gleicher Eigenschaft an der Teinkirche, an der
Pfarrkirche zu St . Äg yd, und endlich 1754 an der fürstl. Lobkowitz-
Ichen Laurettacapelle auf dem Hradschin, womit er zugleich das Amt eines
Hofmusikus bey dem Fürsten Carl Egon v. Fürstenberg, und bey
dem damahligen Prager Fürst- Erzbischofe vereinte. 1300 wurde M. auch
Waldhprnist an der Metropolitankirche zu St . Vei t und bey dem Stra-
hower Kirchenchore, und versah alle diese Stellen zur größten Zufrieden-
heit seiner Obern. Rühmlich wirkend bis in sein spates Alter, feyene er
noch den 5. Febr. 1804 sein 50jahriges Dienstjubiläum im Fürst L o b-
kowitz'schen Hause, und starb den 20. April desselben Jahres. Er
hatte mehr als 50 Schüler gebildet, deren einige ihrem Meister noch
heut zu Tage die größte Ehre machen.
Ocsterr.Nat.Encykl.Vd.lt!.
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie