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Maximilian 3., röm.« deutscher Raiser.
z. B. durch den Anfall der Grafschaft Görz lnit G rad i s ia , M i t -
terburg und dem Pusterthale nach dem Erlöschen des Gö'rzer Grafen-
geschlechtes und durch ansehnliche Erwerbungen von Bayern, als Ent-
schädigung für die Kriegskosten wegen seines Antheiles an dem bayerischen
Erbfolgekriege, bereitete M. auch durch die, von ihm mit dem König
Wladis law von Ungarn und Böhmen verabredete Wechselheyrath sei-
ner beyden Enkel, Ferdinand und M a r i a , mit dessen Kindern
Anna und Ludwig , den künftigen Anfall der ungarischen und böhmi-
schen Krone an sein Haus vor. Die beginnende Reformation durch Mar-
tin Luther, so wie die siegreichen Fortschritte der Türken, hatten
1513 einen Reichstag zu Augsburg zur Folge, bey welchem derKai,
ser persönlich zugegen war, wo aber in beyden Angelegenheiten wenig
ausgerichtet wurde. Der dahin berufene Luther reiste nach einigen er,
folglosen mündlichen Disputationen mit dem päpstlichen Legaten wieder
nach Wi t tenberg zurück und die Beyhülfe der Reichsstände zum
Kriege gegen die Türken wurde aufs Neue mit den lau.t ausgesprochenen
Worten verweigert: „Nicht in Asien, sondern in Italien müsse man !dis
Feinde deutscher Nation suchen, die Franzosen und den Papst." Miß«
muthig verließ der Kaiser den Reichstag, schon während desselben hatt«
ein schleichendes Fieber an ihm genagt. Bey seinem Zuge durch Inns-
bruck widerfuhrihm noch die Unbill, daß die Bürgerschaft, weil ihre
vieljährigen Forderungen an seinen Hofstaat niemahls befriedigt worden
waren, sein Gefolge gar nicht unter Dach kommen ließ. In einem Lan-
de, das er so geliebt, wie Tyrol, fühlte er die Unbill doppelt; sein
Zustand verschlimmerte sich zusehends; da er sich nie einem Arzte ver-
traut hatte, fing er an sich selbst zu curiren an. Da er aber die Mißlich,
keit seiner Umstände bald einsah, berief er auf dem Wege von Inns-
bruck nach Wels einen Carthäuser aus Freyburg in Breisgau zu
sich und stellte ihn seinem Hofstaate mit den Worten vor: „Dieser Mann
soll mir den Weg zur Seligkeit weifen." Er fuhr zu Wasser nach Wels,
da zwang ihn das Fieder anzuhalten. Durch übermäßige Leibesbewegung,
Jagden und Reigerbeizen hoffte er des Übels Meister zu werden, aber
es verzehrte ihn mehr und mehr, und bald war er nicht mehr im Stan-
de, sich vom Lager zu bewegen. Nun bereitete er sich auf das gefaßteste
zum Tode, er ließ sich nicht mehr kaiserl. Majestät, sondern schlechtweg
Maximi l ian nennen. Sterbend gab er noch den sonderbaren Befehl,
daß man ihm nach dem Tode die Haare abschneiden, die Zähne ausbre-
chen und zerstoßen, und vor aller Welt in seiner Hofcapelle zu Asche
brennen solle. In dieser seiner letzten Krankheit ließ er sich in schlaflo-
sen Nächten von I oh . S tab ius Geschichtsbücher vorlesen. Als man
ihm riech, sich zu seinem Ende zu bereiten, sagte er: „Ich habe es längst
gethan, nun wäre es zu spät dazu." Er befahl seine Leiche einen Tag
lang Jedermann zu zeigen, damit sich seine Unterthanen des allgemei-
nen Loses der Sterblichkeit desto kräftiger erinnern möchten. Seinen Rä-
then und Dienern both er'zum Abschiede jedem dieHand, und als sie um
ibn weinten, sagte er: „Warum weint ihr, daß ihr einen sterblichen
Menschen sterben sehN" — M. verschied zu Wels den 12. Jan. 1513,
im 60. Jahre seines Alters und im 26. seiner Regierung. Sein Leich-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie