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608 Maximilian, iLrzh., Churfürst von Cöln.
wo es jedoch nur dabey blieb/ daß man sich gegenseitig beobachtete. Im
folgenden Feldzuge (1691) führte er eine Verstärkung deutscher Truppen
nach Italien dem Herzoge von Savoyen zu Hülfe, welche die Erobe-
rung von Carmagnola nicht wenig beförderte. — Während der
Statthalterschaft über die spanischen Niederlande, welche M. inzwi-
schen antrat, versuchte er (1692) mit König W i l h e l m I I I . N a,
mur zu entsetzen; er vereinigte sich mit demselben zum Gefechte bey
Steenkerken und zum Treffen bey Neerwinden (1693), die
zwar beyde, aber nicht unrühmlich verloren gingen; er unterzog sich
auch in Verbindung mit dem Könige den ersten blutigen ^Auftritten der
Belagerung von N amur, und kam (1695) noch zur Übergabe dieses
Platzes zurück, nachdem er sich in der Zwischenzeit nach Brüssel ge-
worfen , und von V i l l e r o i hatte bombardiren lassen. — Als nach dem
Tode Carl's I I . (1700) die Theilungsaussichten auf die spanischen Län-
der sich so sehr veränderten, und ganz Europa in Bewegung setzten,
neigte sich der gegen Osterreich lange vorher schon gleichgültig gewordene
M. immer mehr auf die französische Partey, die ihm größere Vortheile
wenigstens anboth. Als Statthalter im Besitz der Niederlande, schien
er durch seinen Entschluß der Macht, welcher er sie öffnen wollte, ein
offenbares Übergewicht zu versichern; auch wenn er in seinen deutschen
Landern sich nur bey der Neutralität erhalten hätte, wie seine Absicht
war. Aber man mußte sich öffentlich erklären, und er erklärte sich für —
P h i l i p p V . und für Frankreich.— Indessen gingen die rauschenden
Erfolge der ersten Feldzüge (1702—4), in denen M. U lm, Mem-
mingen uno Augsburg wegnahm, in Tyrol einbrach, in der ersten
Schlacht bey Hochstadt siegte, Regensburg und Passau in seine
Gewalt brachte, mit seinen erstiegenen Linien am Schellenberge, und mit
der verlorenen zweyter Schlacht beyHochstadt doch nur in ein unglück-
liches Abenteuer über, welches ihn aus seinem Ervlande in die völlige
Abhängigkeit von seinen Bundesgenossen warf. JosephI . erklärte ihn
seiner Staaten und der Churwürde verlustig. Das Beyspiel, daß sin
Reichsfürst mitten in Deutschland mit einer feindlichen Macht verbun-
den, wider Kaiser und Reich Krieg führie, war von der Art, daß cs
Maßregeln rechtfertigen muß, welche die Zeitgenossen und die Nachwelt
zu strenge fanden, oder doch aus einem ganz falschen Gesichtspunkte
betrachteten. Deutschland war es zu sehr entwöhnt, einen Kaiser in der
Ausübung seiner Majestätsrechte aus Machtvollkommenheit handeln zu
sehen. In dem rastadt-badenschen Frieden wurde Bayern (1712) be-
kanntlich wieder hergestellt. — M. gab damit, oah er Kaiser Carl VI .
zur Belagerung Belgrad's (1717) ein Hülfscorps von 6,000 Mann
überließ, bey dem seine beyden Prinzen die Waffen zum ersten Mahl
versuchten, einen schönen Beweis von der Aufrichtigkeit seiner Rückkehr
zu alteren, ehedem ihm so rühmlichen Verbindungen. Er starb 1726.
Maximi l ian (Franz Xav. Ios.), Churfürst von Cö ln , war
geboren den 8. Dec. 1759, jüngster Sohn Kaisers F ranz l . und Ma-
r ia Theresiens. In seiner Jugend durchreiste M. ganz Europa,
wählte sodann den geistlichen Stand, wurde 1769 seinem Oheim, dem
Hoch-und Deutschmeister Franz Car l von Lothringen adjungirt. 1780
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie