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Mayseder. — Mazuraken.
kreise. Er studirte erst Theologie, dann die Rechte und wurde hierauf
bey dem Bücher-Revisionsamte in Wien angestellt. Er schrieb „Ge-
dichte", Wien 1824, die sich durch Originalität und Gefühl auszeich-
nen ; auchj mehrere Aufsätze für inländische Zeitschriften.
Mayseder, Jos., k. k. Kammer-Virtuos inWien, Solospieler bey
St. Stephan und im Hoftheater nächst dem Kärnthnerthore, einer der
bedeutendsten Violinspieler neuerer Zeit, auch talentvoller Componist
für dieses Instrument, ist geboren 1790 zu Wien. Seine früh er-
wachten musikalischen Talente wurden durch die Leitung des rühmlich be-
kannten Schuppa n zig h zuerst, jedoch nicht lange Zeit, ausgebildet,
seine weitere Bildung verdankt M. größtentheils sich selbst. Trotz seiner
äußersten Bescheidenheit, da er nie Kunstreisen unternahm, und über-
haupt ein stilles, zurückgezogenes Leben führt, hat sich M.'s Ruf als
Virtuose sowohl im In- als auch im Auslande verbreitet. Seine vor-
züglichsten Eigenschaften sind: Eine sehr schöne reine Intonation, schöne
Bogenführung, glänzendes Spiel und große Nettigkeit in Passagen.
Selbst Paganini ließ dem ausgezeichneten Künstler volle Gerechtig-
keit widerfahren. Die Zahl von M.'s bisher herausgegebenen Werken
übersteigt 50, worunter 6 Quartette, 4 Concerte, 2 Trios, mehrere
Polonaisen für die Violine mit Orchesterbegleitung, und eine große
Anzahl von Variationen, Rondeaus :c. Seine Compositionen sind
durchaus brillant und gefällig, ohne jedoch auf ausgezeichneten Kunst-
werth Anspruch machen zu können; viele derselben wurden auch in ver-
schiedene Arrangements gebracht.
Mazocha, ein merkwürdiger Erdfall im Brünner Kreise Mah-
rens von einer Breite von 50 und einer Tiefe zwischen 74 bis 100 Wie-
ner Klafter, in der Nahe der Dörfer Willimowitz und Ostrow,
Steile, schroff abgeschnittene graue Kalkfelsen umschließen fast in glei-
cher Höhe den Erdfall. Auf dem Grunde desselben schlangelt sich ein
Flüßchen — die Punkwa. Noch immer wird in geographischen Werken
und Reisebeschreibungen irrig angeführt, man müsse, um in den Ab-
grund der M. hinabsehen zu können, sich auf einen überhängenden Stein
legen, oder, auf dem Steine stehend, mit vorgebeugtem Leibe hinab-
seyen. Das eiserne Gelander des kühn über den Rand hingebauten klei-
nen Tempels biethet eine so gefahrlose Gelegenheit zum Hinabschauen,
daß jedes Kind sorglos in die Tiefe blicken kann. Der zweyte Punct,
von dem man einigermaßen die M. übersehen kann, ist auf der Süd-
westseite, wo man auf einer schmalen, schiefen Fläche etwas tiefer hin-
abschaut. — Der fürstl. Liechten stein'sche Hüttendirector Carl
Rudczinsky ließ sich am 15. Iuny 1784 und späterhin der Altgraf
Hugo Salm, in diesen Abgrund hinab. Im Sept. 1829 gelangten
mehrere Leute mittelst Stricken hinab, um den Leichnam eines Men-
schen aufzusuchen, welcher sich hineingestürzt hatte. — Den mährischen
Nahmen: Mazocha (Stiefmutter) erhielt der Erdfall von einer Sage,
welche Jos. Ritter v. H a m m e r in einem Gedichte anmuthig erzählt.
Mazuraken, Heisien die in den Ebenen Galiziens wohnenden
Polen, zum Unterschiede der Gebirgsbewohner, welche Goralen (s. d.)
genannt werden. Sie sind im Ganzen wenlger vortheilhaft gebildet als
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie