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Mediaser Stuhl. — Medic. - chir. Josephs. Akademie.
andern Cameralamtern. In der Gegend wachst vortrefflicher Wein, in
neuerer Zeit wurden auch Versuche gemacht, eine Art Champagner hier
zu erzeugen.
Mediaser Stuhl, im Lande der Sachsen, in Siebenbürgen, 12
Q. M. groß. Sein Boden ist zliar sandig, aber gut cultivirt, jedoch
zum Anbau des Weizens und Hafers ungünstig; hingegen gibt er dem
türkischen Korn unvergleichliche Nahrung, und bringt fast überall vor-
trefflichen, und den besten Wein in ganz Siebenbürgen hervor. Die
32,000 Einwohner sind meistens Sachsen, und nähren sich von Acker-
lmd Weinbau, treiben auch gute Viehzucht. An Wohnorren hat dieser
Stuhl 1 Stadt (die konigl. Frcystadt Medias), 5 Marktflecken und
21 Dörfer.
Medicinisch-chirurgische Josephs Akademie. Dieses ausge-
zeichnete LehrinstitutWi en's befinder sich in der Wahringergasse Nr. 221,
der unvergeßlicheKaiserI o se pH ist dessen Stifter, und ließ auch das schöne
Gebäude desselben, eines der prächtigsten in Wien, auffuhren. Sie
wurde den. 7. Nov. 1735 mit Feyerlichkeit zu dem Zwecke eröffnet: Die
osterr. Armee mit tauglichen Ärzten und Wundärzten zu versehen.
1822 erhielt dieses Institut unter Kaiser Franz I. eine neue, zweck-
mäßige Einrichtung, und wurde, nachdem seit mehreren Jahren keine
öffentlichen Vorlesungen mebr gehalten worden waren, den 6. Nov.
1824 zu diesem Zwecke aufs Neue feyerlich eröffnet. Die Bestimmung
dieser Lehranstalt ist nunmehr in zwey Lehrcursen, sowohl geschickte Feld«
chirurgen, als auch, da sie das Studium der chirurgischen und medicinischen
Wissenschaften vereint, geschickte Feldarzte überhaupt zu bilden. Der
Unterricht wird in zwey Lehrcursen, einem kleineren, bloß chirurgischen,
welcher zwey Jahre wahrt, und einem großen, medicinisch-chirurgischen, wel-
cher fünf Jahre dauert, eingetheilt. Jene Individuen, welche den kleinen
Curs gehörig beendigt haben, treten in der Armee als Unterärzte ein, und
werden patroni chirurgiae. Individuen aber, welche die Gymnasial-
studien absolvirt haben, können den zweyten Jahrgang wiederholen,
die Augenheilkunde dazu siudiren, und werden, nach erhaltener encyklo-
pädisch - medicinischer Bildung IVIagiälri cnirurgi^e, und können als
Oberchirurgen bey der Armee eintreten. Die Unterchirurgen haben die
Verpflichtung, durch 8 Jahre, die Oberchirurgen durch 10 Jahre in
der Armee zu dienen. Zum großen Curse gibt die Armee jährlich 30 der
fähigen feldarztlichen Gehülfen ab, welche jedoch die philosophischen Studien
vollendet haben müssen, nach Vollendung dieses Curses sinden, wie an
der Universität, zwey sirenge Prüfungen Start, die Candidaten verfassen
darauf zwey Krankengeschichten, unterwerfen sich einer dritten öffentlichen
Prüfung, schreiben eine Dissertation, und werden sodann Doctoren der
Medicin und Chirurgie, wie auch Magister der Augenheilkunde und Ge-
b'inshülfe, und treten in der Armee als Oberärzte ein, in welcher sie
verpflichtet sind, 15 Jahre zu dienen, sie h^ben dabey dieselben Rechte,
wie alls auf Unversitaten graduirten Doctoren. Auch nimmt das Institut
Civilschüler für beyde Curse an, welche, außer daß sie keine Gage beziehen,
ganz den übrigen Schülern gleich gehalten sind. Sämmtliche Zöglinge
der Akademie tragen die Uniform der k. k, Feldunierärzte,, und belaufen
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie