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M e d n y ä n s z k y .
einer Eisen-Schwefelquelle von 9—10 Grad R6aumur, welches, vereint
mit den reizenden Umgebungen M.'s im Sommer viele Gaste aus der
Residenz hieher lockt. Höchst interessant ist die Ruine der alten Felsenburg
M., woselbst einst eine Seitenlinie des Bab en berg'schen Stammes
residirte, und sich Herzoge von M. nannte (s. Ba benberger). In
der Folge besasien die mächtigen Grafen von Ci l ly die Veste M. Trotz
allen Verheerungen, welche Zeit und Kriegsvorfalle an den Zinnen die-
ser ehrwürdigen Burg verübt hatten, zeigte sich dieselbe noch vor 50
Jahren in ziemlich imposanter Gestalt. Seit den letzten Stürmen, wel-
che dieses Gebäude 1607 von den ungar. Mißvergnügten erlitt, zerfiel
es zwar in Trümmer, allein diese Trümmer zeigten noch hinlänglich die
Herrlichkeit des kühnen Baues, an welchem 10 Jahrhunderte fast spurlos
vorübergegangen waren. Leider zerstörte der Vandalismu's derBewohner
dieser Gegend selbst dieses unschätzbare Denkmahl des Alterthums zum
größten Theile. Alle Häuser in der sogenannten Klause wurden im 13.
Jahrhundert von dem Mauerwerk der alten Herzogsburg erbaut. So
blieb von den machtigen Trümnurn eines Gebäudes, 'an welche sich viele
der größten Erinnerungen des Vaterlandes und eines herrlichen Fürsten-
stammes knüpfen, dem Osterreich so viel verdankt, nichts mehr übrig,
a!s einzelne unzusammenhängende Ruinen der Ringmauer und einige
hohe Wände, welche auf die Größe und den einstigen Umfang hindeu-
ten und der nahen modernen Antiquitäten in ihrer grandiosen Einfach-
heit zu spotten scheinen. Auch diese letzten Reste würden wahrscheinlich
bald ganz von der Erde vertilgt worden seyn, hätte nicht eine höhere
Verordnung dem Unfuge Einhalt gethan und so wenigstens das gerettet,
was von diesen ehrwürdigen Überbleibseln der vaterländischen Heldenzeit
noch gerettet werden konnte.
Mednyänszky v. Medgyes, AloyS Freyh., k. k. wirkl. Hof-
rath und Mitglied mehrerer gelehrter Gesellschaften, ist geboren den
20. April 1?84 zu Priekopa in der Thuroczer Oespanschaft Ungarns,
aus altadeliger Familie, die schon zu den Zeiten Ludwig's des Gro-
ßen und Siegmund's von Luxemburg wichtiqe Kriegsdienste gelei-
stet und sich besonders durch ihre stete Anhänglichkeit an die österr. Re-
genten ausgezeichnet hatte, wofür das Geschlecht bereits von Kaiser Fer-
dinand I. mit einem neuen Wapen und vielen Freyheiten begabt,
von LeopoldI. aber in den Freyherrnstand erhoben wurde. M.
erhielt seine erste Bildung im Piarissen-Collegium zu Tr en csin, kam
sodann 1797 durch Begünstigung des damahligen Finanzministers, Gra-
fen von Saurau, in das Theresianum in Wien und zeichnete sich
an dieser Akademie, so wie später in der Lehranstalt zu Preß bürg,
durch Talente, Fleiß und Verwendung aus. Nach vollendeten Sru-
dim erhielt M. eine Stelle bey der ungar. Hofkanzley in Wien. Fa-
milienverhältnisse veranlaßten ihn jedoch, diese Anstellung bald wieder
aufzugeben und seinen Aufenthalt auf seinen Gütern in der Neutraer
Gespanschaft zu nehmen, wo er sich mit vielem Eifer dem wissenschaftli-
chen Betriebe der Landwirthschaft widmete. In den Vorbereitungen zum
großen Kamvfe 180s) zeigte M. glühenden Patriotismus und diente seit
dieser Zeit dem Staate bey jeder Gelegenheit mit stets bewahrter Ui,er-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie