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M e s m e r.
Lemberg angestellt, deckte er im Kriege von 1809 mit geringen Kräf-
ten die Bukowina und einen Theil Galiziens, und erwarb sich hiedurch
neue Verdienste. Nachdem er durch 3 Jahre in gleicher Eigenschaft in
Mahren gestanden, wurde er im Iuly 1813 General der Cavallerieund
Gouverneur der Festung Th e r esiensta dt, aber kurze Zeit nachher
zur Hauptarmee in der sächsischen Gränze berufen, um das Commando
über das 3. Armeecorps zu übernehmen, mit welchem er sich auch bey
Nol lendor f auszeichnete. In der Schlacht bey Leipzig leistete M.
ebenfalls die nützlichsten Dienste und gerieth verwundet in feindliche
Gefangenschaft. Napoleon behandelte ihn mit Auszeichnung, behielt
ihn 24 Stunden bey sich, und entließ ihn dann auf sein Ehrenwort.
M. blieb während der Schlacht vom 18. und der weitern Vorrückung
an der Seite des Kaisers Franz. Er erhielt in Frankreich das Groß-
kreuz des russischen Alexander-Newsky-Ordens, nebst dem General-
Commando in Mähren. Bald darauf wurde M. zum außerordentlichen
Bothschafter am großbritannischen Hofe ernannt, wohin er im Jan.
1814 abging. Doch war feine Gesundheit durch die frühere Anstrengung
sehr geschwächt; er starb zu London den 5. Iuly 1815.
Mesmer, Ant . , Dr. der Medicin, Magnetiseur, war gebo-
ren den 23. May 1733 zu Wei l am Rheine. Noch in seinen Knaben-
jahren kam M. nach Wien, studirte daselbst die Arzneywissenschaften
und erlangte 1766 die Doctorwürde. Sein ganzes Streben ging auf die
Chimäre, das in der Natur allwirkende, belebende Princip in seine
Gewalt zu bekommen, darum versuchte er es vorerst mit der Electricität,
wovon er jedoch bald zurückkann, dann aber mit dem Magnetismus,
auf welchen ihn Max. He l l leitete. Dabey erklärte M. jedoch/ daß bey
den von ihm unternommenen Curen nicht der Magnet das wirkende
Princip sey, sondem die seiner Hand entströmende Heilkraft. Da er
jedoch in Wien nicht lange Glauben fand, auch ein quid pro quo
mit einer angeblich sehend gemachten Blinden offenkundig wurde, ging
M. 1778 nach Pa r is , wo er sich zuerst mit einer Darlegung seines
Systems an die Akademie der Wissenschaften wendete, die ihn jedoch
seiner unklaren, theils wahren, theils falschverstandenen Theorie wegen,
die noch obendrein halb auf astrologische und magische Sätze gebaut war,
zurückwies. Nun versuchte M. sein Glück bey dem großen Haufen,
nahm den zuversichtlichsten Seherton an, und imponirt? dadurch so sehr
in physischer und psychischer Hinsicht, daß ihm auch wirklich mehrere Curen
ganz besonders gluckten, so daß sich die franzos. Regierung veranlaßt
sah, ihm 20,000 Livres für die Entdeckung seines Heilverfahrens an-
zutragen, die er jedoch ausschlug. Bald daraufveranstaltete aber B eg a sse,
einer seiner eifrigsten Anhänger, eine Subscription von 100 Actien,
jede zu 100 Louisd'or, welche M. für die Entdeckung seines Geheim-
nisses erhalten sollte. Doch auch dieses Anerbiethen lehnte M. ab, dem
es besser zusagte, in einem geheimnißvollen Dunkel zu wirken. Das
allgemeine Aufsehen, so wie die großen Versammlungen, welche seine
sogenannten Wundercuren zur Folge hatten, bewogen endlich die Regie-
rung, eine Commission niederzusetzen, und von den gelehrtesten und
unbefangensten Männern, unter denen Frankl in war, seine Heilart
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie