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m e s s e r s ch m i d t.
untersuchen zu lassen/» woraus sich kenn endlich ergab, daß das Oanze
bloß auf den Wirkungen der Phantasie und auf Täuschung beruhe. Nach
Veröffentlichung dieser Resultate kehrte sich die öffentliche Stimme eben
so gegen M. , wie sie früher .zu dessen Gunsten gewirkt hatte, ersah
sich genöthigt, Frankveich zu verlassen, ging nach England, von da
wieder nach Deutschland und endlich in die Schweiz, .wo er den 5. März
1815 zu Mörsburg am Bodensee in völliger Abgeschiedenheit starb.
Von ihm selbst war nur seine Inaugural-Dissertation: Dc: pianeta-
rurn intluxu in corpus humanum, Wien 1766 im Druck erschienen,
kurz vor seinem Tode übergab er jedoch seine später bearbeiteten Schrif-
ten an seinen Freund und Verehrer C. Chr. Wo l fa r t , welcher sie
unter dem Titel: Mesmerismus, oder System der Wechselwirkungen,
Theorie und Anwendung des thierischen Magnetismus, Berlin 1314
herausgab, welche aber nichts als phantastische Ansichten über das ganze
Weltsystem, den Magnetismas:c. enthält.
Messerschmidt, Franz Xav., geschickter Bildhauer, war ge»
boren den 20. Aug. 1732 zu Wiesen steig in Schwaben. Sein Va-
ter, ein Weißgarber, gab ihn, sein früh entwickeltes Talent gewah-
rend, 1741 zu seiner Mutter Bruder, dem Bildhauer Job. St räub
nach München, welcher ihm die ersten Begriffe der bildenden Kunst
beybrachte. 1750 ging M. nach Wien , besuchte daselbst durch einige
Zeit die Kunstakademie mit vielem Nutzen > und begab sich sodann nach
Rom, wo er sich vollends ausbildete und wo er unter andern auch mehe
rere der besten antiken Statuen verkleinert in Holz schnitzte. Nach seiner
Zurückkunft 1756 wurde M. , nachdem er einen Ruf nach Par is aus-
geschlagen hatte, als Professor in der k. k. Akademie angestellt, welche
Stelleer, seiner gehäuften Arbeiten wegen, jedoch bald wieder nieder-
legte und erhielt eine jährliche Pension. 1760 begab sich M. in seinen
Geburtsort, wo erMehreres arbeitete, hierauf wurde er in München
als Hofbildhauer angestellt, er verließ jedoch nicht nur diese Stelle nach
einem halben Jahre wieder, sondern lehnte auch einen Ruf nach Ber-
l in, ab und begab sich wieder in die österr. Staaten, wo er sich seinem eige-
nen Ausspruche nach am behaglichsten fühlte. Zuletzt wahlle er Preß bürg
zu seinem Aufenthalte und lebte daselbst mit einem seiner Brüder in der
größten Zurückgezogenheit und immerwahrender Thätigkeit. Er starb da-
selbst den 21. Aug. 1783. Seine besten Arbeiten sind in Wien: Das
Grabmahl des Freyh. v. Senk enberg. — Die Statue der unbe-
fleckten Empfängnis; im herzogl. Savoyischen Damenstift in der Iohannes-
gasse. — Die Büste des berühmten van Swie ten im großen medici-
nischen Horsaale der Wiener Universität. — Die Bildsäule der Kaise-
rinn M a r i a Theresia in: ungar. Costume, so wie die ihres Ge-
mahls Kaisers F ranz I . ; jede 7 Fuß hoch, im Belvedere befindlich.
— Die Bäste des Herzogs Alb recht von Sachsen-Teschen aus Genueser
und jene der Gräfinn Ph i l ipp ine Bat thyany aus carrarischem
Marmor. Sein bekanntestes Werk aber ist seine Suite von Charakterbü-
sten, 4!) an der Zahl, womit er den gewagten und theilweiso auch ge-
lungenen Versuch machte, eine Reihe der mannigfachsten menscylichen
Empfindungen, Leidenschaften und Individualitäten plastisch darzustel-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie