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654 Metternich, Clem. Wenzel Lothar, Fürst v.
versität zu Mainz, auf der er bis 1794 mir kurzen Unterbrechungen,
den juridischen und diplomatischen Studien oblag. — 1797 übernahm
er die Vertretung des westphalischen Grafen-Collegmms auf dem Con-
gresi zu Rastadt, den er jedoch, vor dessen Beendigung, 1799-ver-
ließ. — Erst 1801 kehrte M. zu den öffentlichen Geschäften wieder zu-
rück. In diesem Jahre wurde er zum k. k. Gesandten am damahls chur-
sächsischm Hofe ernannt, welche Stelle er im November antrat. —1303
wurde er„ Gesandter am preußischen Hofe. — 1305 brach der Krieg
zwischen Österreich und Frankreich abermahls aus. Im October desselben
Jahres erschien Kaiser Alexand erpersönlich zu Ber l in , um der be-
reits früher im Nahmen der verbündeten Höfe von Osterreich und Ruß-
land, hauptsachlich durch M. geführten Negociation zum Beytritte
Preußens zur Allianz, das Siegel aufzudrücken. Am 5. Nov. wurde der
Allianz - Tractat zu Potsdam unterzeichnet. Als Kaiser Franz zu
Olmutz die erste Kunde dieses Ereignisses vernahm, verlieh er ihm das
Großkreuz des St. Stephan - Ordens. — Nach Unterzeichnung des
Friedens zu Preßburg wurde M. auf eigenes Ansinnen des russischen
Monarchen, als Bothschafter in Rußland designirt. Bey seiner, im
Avril 1806 erfolgten Ankunft aus Ber l in zu Wien fand er jedoch
seine Bestimmung verändert. — Er wurde zumBothschafter nach Paris
ernannt. Im Anfange Augusts traf er zu Par is ein. Nach dem Ab-
schlüsse eines so ungünstigen Friedens, als der Preßburger war, nach
der so eben erfolgten Auflösung des deutschen Reichsverbandes und dem
Eintreten der rheinischen Föderation, siel die Bothschaft M.'s sicher in
eine schwere und trübe Periode. Ein großer Theil der osterr. Monarchie
war noch unter den nichtigsten Vorwanden von den französischen Heeren
beseht, und blieb es, bis es M. gelang, durch eine am 10. October
1307 zu Fontainebleau geschlossene Convention die definitive Aus-
gleichung der Streitfragen zu erreichen, und die Begränzung gegen
Italien durch den Lauf des Isonzo zu bestimmen. — Während Napo-
leon's Feldzug gegen Preußen, so wie wahrend der Zusammenkunft
zwischen den Kaisern von Rußland und von Frankreich zuErfurt 1808,
verblieb M. zu Paris. In eben diesem Jahre jchritt Napoleon zu
der Umwälzung Spaniens. Am 15. August 1303 ereignete sich jene, in
den diplomatischen Annalen aufgezeichnete, merkwürdige öffentliche Au-
dienz, wobey der kais. Bothschafter den heftigen Erklärungen des Welterobe-
rers eine Stunde langdieSpitze zu biethen, genöthigt war. Noch in eben
dem Monathe stellte sich Na pol eon an die Soitze seines Heeres jenseits
derPyrenäen. Imfolgenden November erhielt M. einen Ruf nachWien,
wo er unter Theilnahme an den Cabinets- Berathungen über die politi-
sche Lage der Dinge, bis gegen Ende December verweilte. — Am
1. Jan. 1809 traf derselbe wieder zu Paris ein. Noch in demselben
Monathe kebrte Napoleon in seine Hauptstadt zurück. Am 10. April
ging das kaiserl. Heer über den Inn, der kaiserl. Pothschafter verlangte
seine Pässe, wurde aber zu Paris bis zum 94. May unter dem Vor-
wände einer künftigen Auswechslung gegen die in Ungarn befindlichen
Individuen der französischen Bothschaft am kaiserl. Hofe, zurückgehal-
ten. — Nur wenige Tage nach dem Siege von Aspern, traf M.
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe I-M, Band 3
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe I-M
- Band
- 3
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 768
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie