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634 Seckau. — Seckendorf, Friedr. ^einr. Graf v.
thode durch viele Jahre mit dem besten Erfolge fortsetzte. Über dem Aus»
arbeiten dieses Lehrplans reifte bey ihm die Vorliebe für den doppelten
Contrapunct und für die strengere Schreibart überhaupt, in welcher er
auch eine solche Fertigkeit sich erwarb, daß wohl nur Wenige mit ihm
in diesem Fache in die Schranken treten können. 1320 wurde er mit
Abbe Stadler bekannt, der ihn aufmunterte, manche nützliche Winke
gab, und ihm allenthalben, vorzüglich dem damahligen Hofnmsikgrafen
Mo ritz Grafen Dietrich stein empfahl. In dieser Zeit schrieb er 3 gro-
ßsre Messen und 1 kleine, welche hierauf in der k. k. Hofcapelle aufge-
führt wurden. Seit dieser Zeit schrieb S. fast ausschließlich im strengen
Style. Er bekam mehrere Schüler in der Compositionslehre zu unter-
richten, von welchen folgende sich ber<v'ts bemerkbar gemacht haben: En-
gel b. Aigner, Fedr igott i , F riedr. S chn el l , S ieg m. Thal-
berg, T h e o d. D ö h l e r uud L e o p o l d i n e B l a h e t k a. 1324 erhielt S.
die zweyte Hoforganistenstelle, und rückte im darauffolgenden Jahre nach
W orzisch ek's Tode zum ersten Hoforganisten vor. Seit dieser Zeit
widmet S. (nebst Erfüllung seines Berufs), seine Stunden dem
Unterricht seiner eigenen Kinder, und jener erwachsenen Personen, die
den Generalbaß und Contrapunct nach seiner Methode studiren wollen;
die noch übrige Zeit verwendet er zu musikalischen Compositionen und zur
Vervollkommnung seiner eigenen Lehrmethode. Die 30 Werke von S.,
welche bereits gestochen sind, machen nur einen kleinen Theil der Ge-
sammtzahl dessen aus, was er bereits componirt hat; worunter sich aus-
zeichnen : Mehrere Messen und andere Kirchenstücke als: Requiem, Gra-
dual?:c.; Gelegenheits-Cantaten, Quintetten, Quartetten, Trios für
Screich-Instrumente,Lieder und mehrstimmige Gesänge; Symphonien und
Ouvertüren fürs Orchester, eine ungeheure Anzahl von Fugen und Prä-
ludien für Orgel und Clavier; viele Stücke fürs Clavier im freyen und
gebundenen Style; dann sein umfassendes Werk unter dem Titel: „?ehr^
syst.'m der Composition." Bey dem ungewöhnlichen Fleiße und der oe^
deutenden Fruchtbarkeit dieses Componisten steigt die Anzahl seiner Com-
positionen zusehends.
Seckau (Seggau), steyermärk. Marktflecken von 400 Einw. in
der gleichnahmigen Bisthumsherrschaft mit einem Schlosse im Iudenbur-
ger Kreise. In der dasigen Kirche befindet sich ein sehenswürdiges Mau-
soleum des Herzogs Carl I I . von Steyermärk und seiner Familie. Un-
ter den Gewerbsanstalten zeichnet sich diebedeutende Sensenschmiedeaus,
die früher jährlich 50,000 Sensen nach Polen, Rußland, Deutschland und
i'l die Schweiz verschickte.
Seckendorf, Friedr. Heinr. Graf v., war geboren 1673 zu
K ö n igs b erg in Franken. 2 Jahre alt, verlor er seinen Vater, wel-
cher gothaischer geh. Rath war, und sein Oheim, Vei t Ludw. v.S.
nahm ihn und seinen Bruder 1633 zu sich nach Zeitz, wo er von ihm
und andern gelehrten Männern auf das sorgfältigste unterrichtet ward. Er
ging 1689 nach Jena, Leipzig und L e yden. DerTodseines Oheims
ließ ihn seiner Neigung zum Kriegsdienste folgen und als gothaischer
Cornet machte er 1694 und 1695 die thatenlosen Feldzüge gegen Frank-
reich mit und wollte voll Verdruß über die Unthätigkeit des Heeres, bey
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe N-Sed, Band 4
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe N-Sed
- Band
- 4
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 660
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie