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Seckendorf, Fricdr. seinr. Graf v. OI7
Thatenlosigkeit, zu welcher S. durch die vielen Detachirungen und den Übeln
Zustand seines Heeres 1637
die schnelle Übergabe N i ssa's an die Türken: Alles dieß gestaltete den Feld-
zug zu einem der traurigsten für die österr. Waffen und zwang S . ,
sich hinter die Save zurückzuziehen. Seine Feinde benutzten dieß, ihn
der Verrätherey anzuklagen. S. zurückberufen, war kaum in W i e n ,
als er verhaftet, und einem langen, peinlichen, krankenden Verhör durch
eine Commission unter dem Präsidium des Feldmarschalls Ha rrach un-
terworfen wurde, ja man erregte mehrere Pöbelaufläufe bey seinem Ge-
fängnisse. Untet dem Vorwande, daß sein Leben nicht mehr sicher sey,
brachte man ihn nach der Festung Grätz > wo er bis zum Tode C a rl's
V I . blieb. Mar ia Theresia setzte ihn in Freyheit und gab ihm alle
seine Würden zurück. S. ging anfangs nach Meuselw itz, oannnach
Ph i l i ppsburg , welches er in ter schlechtesten Verfassung fand.Bald
trat er nun als Reichsfeldmarschall in die Dienste Kaisers Car l V I I .
In dessen Aufträgen schloß er mit Sachsen und Preußen Verträge und
vereinigte sich, nachdem er darauf den Oberbefehl des Heeres übernom-
men, 1742 mit dem Marschall von Sachsen, welcher die französischen
Hülfövölker für Carl V I I . gegen Österreich commandirte. Indessen ver-
ließ dieser ihn, und S. eroberte Bayern ohne fremde Hülfe wie-
der. Aber der Feldzug 1743 war so unglücklich, daß sich Car l V I I .
entschließen mußte, mit Mar ia Theresia zu unterhandeln, undS.
ward dieser schwierige Auftrag, den er auch unter den drückendsten Be-
dingungen zu Nied er-Schaufeld (27. Iuny) löste, übertragen.
Von Wemledingen, wohin er sich zurückgezogen hatte, reiste S. hierauf
nach Dresden, um den sächsischen Hof zu gewinnen und schloß mit
dem König vonPreußen den Vertrag zuFrankfurt a. M., der dem Kaiser
neue Hülfe gab. Nun stellte sich S. von Neuem an die Spitze der Trup-
pen und es gelang ihm nach manchen Schwierigkeiten, den Kaiser den
16. October zum zweyten Mahl nach München zurückzuführen. Hiet«
auf legte er das Commando nieder, und wollte sich auf seine Güter be-
geben, als Carl V I I . starb, und seinen Nachfolger, nach dem un<
glücklichen Treffen des Generals Sehur bey P fa ffenh o fen (am 15.
April 1745), in der übelsten Lage zurückließ. S. war der erste, der
zum Frieden rieth, und denselben auch wirklich zu Füssen am 22. April
' 1745 zuStande brachte. Hieraufsah er den zum Kaisergewählten FtanzI .
in Frank für t , ging darauf nach Meuselw itz, wo er von da an
lebte. 1753 ließ Friedrich I I . den Greis wegen seines ihm gefährlich
scheinenden Briefwechsels durch Husaren in der Kirche zu Meuselwitz
arretiren und nach der Citadelle von Magdeburg bringen. Im folgen-
den May jedoch ward er aber gegen Zahlung von 10,000 Thlr. freyge«
lassen und mit dem kriegsgefangenen Prinzen Mor iz von Dessau aus-
gewechselt; er wandte sich nun seiner Sicherheit wegen, zum Gemahl
seiner Großnichte von Rotenhann nach Rentweinsdorf in Fran-
ken und kehrte erst 1760 nach Meuselwitz zurück, wo er 1763 in einem
Alter von 90 Jahren am 23. Nov. starb und ftme Güter seines Bruders
Söhnen hinterließ.
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe N-Sed, Band 4
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe N-Sed
- Band
- 4
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 660
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie